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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

»Kriegsfreiwilliger Paul Zech an Julius Bab in Berlin. Pèronne, den 13/7 1916 […] Von Verdun, wo man sich langsam an die blutdüstere Hölle gewöhnt hatte, wurden wir am 3/7 an die Somme verschickt. 300 mt. hinter den verschütteten mit Entsetzlichvielen angefüllten Gräben, mußten wir nun Stellungen ausheben. Zwei Tage vorn und ein Tag Ruhe im Dorfquartier. Und dort traf uns das Unglück. Die Engländer beschossen uns mit 28 cm Geschützen. Immer Salven, zwei Stunden die Nacht lang. Daß ich, der ich schon genug Grauen gehabt habe, auch dieses Letzte noch haben mußte, ist das endliche Golgatha.« Jens Eber Hrsg.: Vom Augusterlebnis zur Novemberrevolution, Göttingen 2014, S. 157 f
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Deutsche Kriegszeitung Nr. 35 – 27. August 1916. Illustrierte Wochen-Ausgabe. Herausgegeben vom Berliner Lokal-Anzeiger.

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

Kontakt: mail@handschriften-lesen.de www.handschriften-lesen.de

Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

13.–28. August 1916

13. August 1916. Kam heute von Cambrai wieder nach Ervillers. Die Offensive flaut in unserem Abschnitt ab. Weiter links an der Somme geht’s immer gefährlich weiter. Die Kämpfe weiter und immer härter.

 

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Zigarettenwerbung. Der Weltspiegel, 3. September 1916, Illustrierte Halb-Wochenschrift des Berliner Tageblatts.

Am 28. August 1916 bin ich in Urlaub gefahren über Cambrai, Douai, Lille, Tournai, Brüssel, Leuven, Lüttich, Köln nach Osnabrück. Es hat mir so schön gefallen dort. So friedlich war’s dort. Oh, könnten wir doch erstmal ganz nach Hause gehen. Ich war sieben Tage dort, bin dann dieselbe Strecke zurückgefahren. Als wir am 7. September nachts von Cambrai abfuhren, rasselte unser Zug auf einen Güterzug. Es war einfach fürchterlich. Unser Herrgott hat mich wunderbar beschützt. Ich saß gerade mit in den Wagen, welche zusammengedrückt wurden, bin aber bis auf einige Hautabschürfungen glücklich mit großem Schreck durchgekommen.

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Der Angriff auf Verdun kam zum Stillstand . Mit großen Verlusten. An der Somme gewannen die Alliierten immer mehr an Boden. Ende August 1916 übernahmen Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff die Oberste Heeresleitung. Das Hindenburg-Programm sollte die Wende an den Fronten bringen. Ziel des Programms war eine Verdoppelung der Waffen- und Munitionslieferungen innerhalb von nur sechs Monaten. Die Wehrpflicht wurde auf Männer zwischen 16 und 60 ausgedehnt. Frauen sollten nur noch für kriegsrelevante Gewerbe arbeiten. Für die Rüstungsindustrie waren das zunächst gute Aussichten. Breite Schichten der Gesellschaft begrüßten diese Forderungen.  Die versprochene Steigerung der Produktion konnte allerdings nicht oder nur sehr kurzfristig erreicht werden. Bald schon führten Rohstoffmangel und Transportprobleme zu einem Rückgang der Produktion. Das Programm hatte darüberhinaus negative Folgen für die Lebensmittelversorgung. Die Landwirtschaft konnte mit Zwangsarbeitern alleine nicht betrieben werden. Die Ideen gingen an der Wirklichkeit vorbei. (G. F.)

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»Das Deutsche Volk wird seine / Feinde nicht nur mit dem / Schwerte sondern auch mit / dem Gelde schlagen. Das wird / die Kriegsanleihe beweisen. Gr. H. Qu. 11. 9. 1916. / von Hindenburg / General Feldmarschall. Osnabrücker Tageblatt, 11. September 1916

Der nächste Beitrag erscheint am 18. September 2016

 

 

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