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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

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»Die neuen 100-Rubel-Scheine der Ukrainischen Republik, die Aufschriften in verschiedenen Sprachen, unter anderem der hebräischen. Ein Schein in Originalgröße.« (hier verkleinert)
Quelle: Zeitbilder, Beilage in der Vossischen Zeitung, 24. Februar 1918

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

15.–27. Februar 1918

15. Februar 1918. Langsam gefällt’s mir gut in Beveren. Man stößt auf gleiche Menschen, man trifft Freunde, so dass der kommende Abschied schwerer wird. Ein naher Bauer zieht mich besonders an, es sind so nette Menschen. Eine stattliche Frau, gesittete, gesunde, echt deutsche Töchter, vernünftige Söhne sind der Stolz des Hofes. Wie fühle ich mich wohl in der sauberen derben Bauernküche.

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Der Weltspiegel, 17. Februar 1918, Illustrierte Halb-Wochenschrift des Berliner Tageblatts

18. Februar 1918. Heute sind wir in Stellung gerückt, sollen sechs Tage drin bleiben. Das Leben ist sehr eintönig hier.

25. Februar 1918. Heute Abend sind wir beim schönsten Mondschein durch Roulers nach Beveren zurück gegangen.

27. Februar 1918. Um elf Uhr Mittag von B. nach Isigkern zur Bahn marschiert. Fahrt über Courtrai, Lille, Douai nach Arleux. Kommen in Palluel in Quartier. Es sind rückwärtige Dörfer der Stellung, wo wir 17 waren. Oisy-le-Verger liegt 3 km, Sauchy Cauchy 6 km.

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Am 9. Februar 1918 unterzeichneten der Zentralrat der am 25. Januar ausgerufenen Volksrepublik Ukraine und die Mittelmächte einen Separatfrieden. Am Tag darauf erklärte Trotzki, Russland werde seine Armeen von allen Fronten abziehen. Die Folge waren chaotische Zustände, in denen die deutsche Seite die Möglichkeit zu einem erneuten Vorstoß nach Osten sah. Innerhalb weniger Tage besetzten deutsche Truppen Minsk, Livland und Estland, übrigens gegen das Votum der Reichsführung, die alle Kräfte für die am 21. März geplante große Offensive im Westen sammeln wollte. Ab 18. dem Februar marschierten deutsche Truppen und ab dem 28. Februar österreich-ungarische Truppen in die Ukraine ein.

Am 3. März 1918 unterzeichneten Russland und die Mittelmächte den Vertrag von Brest-Litowsk. Der jungen Volksrepublik Ukraine wurde die staatliche Selbständigkeit zugesagt. Russland verzichtete auf seine Ansprüche an Polen, Litauen und Kurland, ebenso auf die Territorien Estland, Livland und Finnland. Für Russland bedeutete das den Verlust ein Drittels seiner Bevölkerung.

Am 21. März 1918 startete das deutsche Heer mit den von der Ostfront zurückgekehrten Truppen neue Angriffe im Westen. Mit der Operation Michael, der ersten von fünf Offensiven, sollte der Krieg gewonnen werden, bevor die Anzahl der amerikanischen Truppen weiter stieg. Ein verzweifelter Versuch. Massive Verluste, Hunger und Krankheiten demoralisierten die deutschen Soldaten.

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Der nächste Beitrag erscheint am 2. März 2018.

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