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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

26. Mai 1917

Pfingsten. Die dritten Pfingsten im Krieg. Wer hätte so was geahnt. Welch herrlicher Tag. Ich war heute in der Kirche im Kino. Der Mai war so schön. Es wäre ja so schön hier, wenn es sein könnte. Aber wo die Bewohner fortgejagt, wo nur Feldgraue verwüsten, wo kein weibliches Wesen und Kind zu sehen, wo die Granaten den ganzen Tag und Nacht jaulen, da ist’s nicht schön. Auch wenn, wie hier, den ganzen Tag Konzert, des abends Kino ist. Meine Liebe zur Natur ließ mich ja manches schön finden, die Gegend ist ja herrlich. Vor uns liegt das schöne Dörfchen Buissy mit seinen Fermen und den von hohen Mauern umgebenen Gärten. An der einen Seite eingeschlossen von Wiesen und Weiden, an der anderen von herrlichen Feldern. Hinter, direkt an der anderen Seite der Straße, steigt es zum Schlosspark herauf, mit großen Rasenplätzen, Teichen und Waldungen. Am jenseitigen Abhang steht Schloss und Kirche. Daran anschließend das Dorf Baralle mit seinen schönen Landhäusern und Parkanlagen. Es war hier sehr schön im Frieden. Ich lebe hier eigentlich ganz schön, nur müsste die ungewisse Zukunft und die jaulenden Granaten nicht sein. Ich mache meinen Telefondienst, die übrige Zeit habe ich frei.

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1917-05-26_flüchtlinge472

Französische Flüchtlinge. Fotografie: Franz Vogt

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Der nächste Beitrag erscheint am 10. Juni 2017.

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