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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

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Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

15. September 1917

Heute Abend, zwölf Uhr, sind wir von Stekene fortgefahren. Wurden in St. Gillis verladen. Wir sind gefahren über St. Niklaas, Gent nach Ingelmunster. Wurden ausgeladen. Fuhren dann über Isighem nach Rumbeke. Heute am Sonntag nachmittag, war zu Hause und zufällig auch in Stekene und Lochristy. Großkampftag. Die Batterien haben bis 3000 Schuss verfeuert. Panzerautos, Tanks, Flieger, alles wirkt mit. Aber wenig hat der Feind erreicht, aber Blut ist geflossen. Die Erde dröhnte, der Himmel war rot. Man kann nur beten: Herr, mach’ Ende diesem Jammer.

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Trommelfeuer in Flandern. Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-R29402

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»Über die psychische Morbidität in den Heeren unserer Feinde fehlen uns alle sicheren Nachrichten. Man las wohl in den Zeitungen, daß in den Schützengräben in Flandern sowohl bei englischen Truppen als bei Teilen der englischen Kolonialarmee Häufungen psychischer Erkrankungen vorgekommen seien, es wurde auch berichtet, daß im russischen Heere zahlreiche Seelenstörungen auftraten, namentlich daß die Soldaten Erscheinungen der Mutter Gottes gehabt hätten, die ihnen baldigen Frieden verheißen hätte. Aber es hat ernstliche Bedenken, Zeitungsnachrichten in der Kriegszeit einen wissenschaftlichen Wert beizumessen. Über die Frage, die uns hier am meisten interessiert, nach der Häufigkeit der psychischen Erkrankungen, werden wir erst aus den Sanitätsberichten nach Abschluß des Friedens einige Aufschlüsse erhoffen dürfen.« Alois Alzheimer: Der Krieg und die Nerven. Breslau 1915. S. 19, 20

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Der nächste Beitrag erscheint am 24. September 2017.

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