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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Franz Vogts Vetter August Wiemann starb mit etwa 23 Jahren im Dezember 1915. Vermutlich in den Kämpfen bei Arras. Vogt war für August Wiemann immer so etwas wie ein väterlicher Freund gewesen, der ihm mit guten Ratschlägen zur Seite stand. Von seiner Reise als Wandergeselle schrieb August Wiemann an Franz Vogt im Juni 1911: »Lieber Franz! Habe Deinen Brief empfangen und werde alles befolgen, was darin enthalten war. […] Besten Dank für den Brief. / Viele Grüße von Deinem Vetter / August.«

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

mail@handschriften-lesen.de

Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

1.-4. Januar 1916

1. Januar 1916. Sonnabend. Still und ruhig bin ich zur heiligen Messe gegangen und war nachher im Quartier.

2. Januar 1916. Sonntag. Hatten heute morgen Gottesdienst. Unser Pfarrer hat sehr schön gepredigt. Hat das alte Jahr auseinandergesetzt, uns aufgemuntert auszuhalten, wenn’s auch schwer würde.

3. Januar 1916. Hatte verschiedene kleine Arbeiten auszuführen und war nach Seclin zum Generalkommando.

4. Januar 1916. Der Tag brachte dieselben Arbeiten. Nicht Neues. Trübe Stimmung. Erhielt die Nachricht, dass mein Vetter August gefallen. Traurig, hab die ganze Nacht weinen müssen.

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Die Postkarten, die August Wiemann während seiner Wanderjahre an Franz Vogt schrieb, befanden sich in Vogts Nachlass, u. a. diese Karte aus Neapel vom 12. Januar 1912: »Wie bunt das Leben hier auf der Straße ist, könnt Ihr hier auf dieser Karte gut sehen.« Postkarte: Nachlass August Wiemann

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Ein deutscher Soldat in französischer Gefangenschaft schreibt in einem Brief: »Fast jeden Sonntag hatten wir Gottesdienst, den ein französischer Geistlicher, der als Sergeant im Heere stand, abhielt. Der französische Prediger las uns seine Predigt, die ein Dolmetscher übersetzt hatte, vor. Stil und Aussprache waren ja recht mangelhaft. Dafür aber war der Inhalt der Predigt tief und gehaltvoll. Ich verhehle nicht, daß seine Worte mir eindrucksvoller waren als manche Predigt deutscher Militärgeistlicher, die eher eine vaterländische Ansprache oder Propagandarede für die Kriegsanleihe genannt zu werden verdient als eine christliche Predigt.« Bernd Ulrich, Benjamin Ziemann (Hg.): Frontalltag im Ersten Weltkrieg; Essen 2008, S. 76

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»›Nun –?‹, fragte der liebe Gott. ›Hm –‹ sagte ich wieder. ›Könnte man nicht die drei Biographien kombinieren? Etwa vielleicht so, daß ich als Sohn des Oberregierungsrats Kammerjäger bei der Weltbühne …‹ ›Beeilen Sie sich!‹ sagte Gott Vater streng. ›Ich habe nicht viel Zeit. Um zehn Uhr präsidiere ich drei Feldgottesdiensten: einem polnischen gegen die Deutschen, einem deutschen gegen die Polen und einem italienischen gegen alle andern. Da muß ich bei meinen Völkern sein. Also – wählen Sie.‹ Und da habe ich dann gewählt.« Kurt Tucholsky: Na und –?. Hamburg 1950, S. 162.

 

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