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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

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OsnabrĂĽcker Zeitung, 1. Januar 1918

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

mail@handschriften-lesen.de www.handschriften-lesen.de

Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

1.–7. Januar 1918

1. Januar 1918. Wir liegen noch immer in Beveren bei Roulers. Der Stadt, die in der verflossenen Flandernoffensive so scharf mitgenommen wurde. Traurig stimmt’s einen, wenn man aus unserer Gartentür schauend die stolzen verwundeten Türme zum Himmel ragen sieht. Wie kalt und öde sind die Straßen, nackte Wände und Mauern. Zerstörte Gartenanlagen, Grotten und anderes erinnern an frühere Schönheit und Frohsinn. Wie war’s im vorigen Jahr noch anders. Als ich im Juli aus Urlaub kam und in Roulers ausstieg, herrschte noch reges Leben. Bis auf ein paar Bomben war alles gut erhalten. Soldaten kamen mit den Einwohnern gut aus, wie man das in Flandern gewohnt.

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Aus den Tagebüchern von Jeanne Thomassin, Matton-Clémency (Archives-Ardennes – Cahier de Notes appartenant à Jeanne Thomassin / 1 J 727/1 /):

Mardi 1er Janvier: Encore une nouvelle année! Je n’ose dire que ce sera la dernière cas je suis si triste par moments que je désespére de revoir la paix. Cette triste guerre ne peut pourtant durer indéfiniment; car pour tout le monde c’est une ruine complète et pour nous, pauvres civils des pays envahis, ce sont encore de nouvelles misères à supporter. Les A racontent que si la paix est signée avec la Russie, ils reviendront tous sur la France pour nous écraser et finir la guerre. Que Dieu nous en préserve!, j’aimerais mieux certes souffrir plus longtemps encore que A voir notre pays ainsi anéanti.

Dienstag, 1. Januar: Wieder ein neues Jahr! Ich wage nicht zu behaupten, dass es das letzte Mal gewesen sei, weil ich manchmal so traurig bin und nicht glaube den Frieden wieder zu sehen. Dieser traurige Krieg kann nicht endlos dauern; denn für alle ist es der komplette Ruin, für uns arme Zivilisten in dem verwüsteten Land sind es immer noch schlechte Nachrichten, an die zu glauben schwerfällt. Die Allemands erzählen, wenn sie den Frieden mit Russland unterzeichnet haben, kommen sie alle nach Frankreich, um uns zu vernichten und den Krieg zu beenden. Gott bewahre! Ich würde bestimmt lieber noch länger leiden, als unser Land so vernichtet zu sehen.

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5. Januar 1918. Wir haben ein anderes Quartier bezogen, wohnen in einem Estaminet. Die Leute haben 17 Kinder gehabt. Jetzt ziehen drei junge Töchter die Soldaten heran, jeden Abend herrscht ein tolles Leben.

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»Zur Erinnerung an die feindlichen Flugzeuge abgeschossen am 5. Jan. 1918 in Djenin.« (Jenin, heute Westjordanland) Der Schreiber dieser Anmerkung ist nicht bekannt.
Heute ist die Front des Ersten Weltkriegs im Nahen Osten fast in Vergessenheit geraten. Postkarte: privat

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»Die Westfront. Berlin, 5. Jan. […] Auch in der Gegend von Cambrai wurde vom Nachmittage ab das feindliche Feuer an mehreren Stellen an der Front lebhafter. Ueber das verschneite und vereiste Trichtergelände hinweg drangen unsere Stoßtrupps in die englischen Gräben ein, brachen mit Handgranaten und blanken Waffe jeden feindlichen Widerstand und kehrten mit 14 Engländern und wichtigen Erkundungsergebnissen zurück.« Osnabrücker Zeitung, 7. Januar 1918

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Neueste illustrierte Rundschau, 12. Januar 1918 »Ein englischer Tank in Berlin. Ein in Cambrai erbeuteter unversehrter englischer Tank ist in Berlin zu wohltätigen Zwecken zur Ausstellung gelangt. Der Tank fährt mit eigener Kraft durch die Stadt.«

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Der nächste Beitrag erscheint am 1. Februar 2018.

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