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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

1. April 1915

Gründonnerstag heute. Sehr schönes Wetter. Habe Parkwache. Heute ist ein trauriger Tag für die Zivilbewohner von St. Georges. Dieselben müssen nämlich heute fort.

Um fünf Uhr sammelten sich die Frauen, alte, gebrechliche Weiber und Männer, nichts böses ahnende Kinder. Das war ein Gejammer, da blieben auch unsere Augen nicht trocken. Einer alten 70jährigen Greisin hab ich noch das Paket hingebracht, hab ihr die Hand gedrückt zum Abschied. Immer mehr kommen heran. Pakete, Koffer, Taschen werden mitleidsvoll von Kameraden herangeschleppt. Ich spreche mit einem alten, gebrechlichen Mann, hatte denselben schon länger beobachtet, machte so einen leidenden Eindruck. Er erzählte mir, dass er 70 schon 8 Monate in Deutschland Gefangener gewesen. Er fügt sich in sein Schicksal. Muss mit seiner Frau auch reisen, seine Kuh und Tiere verlassen. Meint aber bestimmt, er käme nach Deutschland in Gefangenschaft. Unser Hauptmann steht mit Tränen in den Augen und fotografiert den seltsamen Aufzug. Vier Wagen der Kolonne stehen fertig, alles wird aufgeladen, fort geht’s aus der Heimat. Die alten werden dieselbe wohl nicht wieder sehen.

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(Foto: Franz Vogt)

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