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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

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OsnabrĂĽcker Tageblatt, 15. Oktober 1916

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

13.–15. Oktober 1916

13. Oktober 1916. Jetzt sitze ich in der Erde am Klappenschrank und habe fünf Stunden Wache. Die ersten Stunden, von elf bis eins, war’s sehr lebhaft. Bei den Nachbardivisionen wurde nämlich Gas abgeblasen. Es waren starke aber kurze Angriffe. In solchen Stunden fallen die Klappen, der Draht kommt zur Geltung und wir sind in fieberhafter Tätigkeit. Sonst gibt’s ja nachts etwas ruhigere Stunden, besonders von eins bis vier, dann geht’s wieder los. Diese Stunden muss man totschlagen. Eine Stunde habe ich Mundharmonika gespielt, welches ich noch im Kriege gelernt habe. Die übrige Zeit muss man mit Lesen herumkriegen.

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Was mag Franz Vogt gelesen haben? Ludwig Pastor: Conrad von Hötzenforf – Ein Lebensbild nach orignalen Quellen und persönlichen Erinnerungen, Freiburg i. Br. 1916? Leopold Ziegler: Der deutsche Mensch (Berlin 1915)? Selma Lagerlöf: Der Kaiser von Portugallien (1913) oder Hermann Löns: Dahinten in der Heide (1910)? Oder?

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Reklame in Deutsche Kriegszeitung, 3. Juni 1917

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14. Oktober 1916. Sonnabend. Machte heute nachmittag einen Spaziergang nach Ayette, einem Nachbardorf. Ich hatte gehofft, die Kirche noch innen in gutem Zustand zu finden, aber traurig sah dieselbe aus, verdreckt und zerstört. Oft schon hab ich mich in einem schönen Kirchlein so recht ausgeruht von den Unruhen und Getümmel des Krieges, aber hier war’s leider nichts.

15. Oktober 1916. Heute war ich schon frĂĽh zur heiligen Kommunion. Da wir aber alle nicht vorher beichten konnten, mussten wir so zum Tische des Herrn gehen. Am Nachmittag machte ich einen Spaziergang in die Parkanlagen und ins Dorf.

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den 15 Oktob. 1916. / Umstehend ein Bild aus dem Dorfe. Das vordere Haus die Hauptwirtschaft, das hintere Haus die Bäckerei. / Franz. (Fotografie: Franz Vogt)

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Der nächste Beitrag erscheint am 19. Oktober 2016.

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