<

Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

»15. Januar 1915. Von heute ab darf nur Kriegsbrot verkauft werden. Ein Brot, das bis zu 30 % aus Kartoffelzusatz und aus einer Mischung von Roggen, Gersten- oder Mais und Weizenmehl besteht. […] Wir bringen auch jeden Abend gekochte oder gebratene Kartoffeln auf den Tisch. Hafer kostet der Sack 24. Mk.« Mutters Kriegstagebuch. Die Aufzeichnungen der Antonia Helmig 1914 - 1922, Münster 2005, S. 54

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

mail@handschriften-lesen.de
www.handschriften-lesen.de

Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

13.–20. Januar 1915

13. Januar 1915 Heute morgen hatten wir Fahrübung und nachmittags Arbeitsdienst. Haben einen schönen Fußweg zum Park gemacht.

14. Januar 1915 Wieder ein Tag hin und zwar ein sehr bewegter. Waren drei Dörfer weit zum Kartoffeln holen nach St. Loup. Kartoffeln sind sehr rar hier. Haben in drei Wochen fast keine Kartoffeln mehr gegessen.

1915-01-14_BT_schnellkocher

Berliner Tageblatt, 14. Januar 1915

15. Januar 1915 Wieder bin ich in Feuerstellung. Dasselbe Lied. Morgen sollen wir 40 Schuss abgeben. Hier am Walde ist’s sehr dreckig, man kann kaum die Füße losbekommen. Auch im Unterstand ist es nicht mehr schön. Tröpfelt einem ständig auf den Kopf. Na, die Nacht geht wohl hin.

16. Januar 1915 Gott sei Dank, wir sind wieder im Quartier angelangt. Haben gerade Kaffee getrunken. Man fühlt sich doch angegriffen nach solch einem Tag und Nacht in der Wildnis dort. Hier in Bazancourt fühlt man sich doch wohler wie in Sibirien, wie wir unsere Feuerstellung getauft.

17. Januar 1915 Heute haben wir einen Weg zum Park ausgebessert und heute nachmittag war ich mit nach Isles zum Munitionspark.

18. Januar 1915 Heute soll unsere Kolonne ausruhen und Holzkohlen machen auf dem Walde nach Boult zu. Die Holzkohlen sind für die Unterstände und Schützengräben bestimmt zum Heizen, weil dieselben starke Hitze abgeben aber nicht rauchen und vor allem leicht zu transportieren sind. Holzkohlen werden ja bekanntlich im Harz gewonnen. Wir haben einen Harzer Unteroffizier, welcher die Geschichte in die Hand genommen.

1915-01-18_bt_pc

Berliner Tageblatt, 18. Januar 1915

19. Januar 1915 Heute morgen hatten wir Fahrübung nach Boult und dann auf Umwegen wieder zurück. Nachmittags werden wieder Holzkohlen gewonnen.

20. Januar 1915 Heute Mittag bin ich auf Wache gekommen, habe also bis morgen mittag Ruhe. Kann meinen Bekannten schreiben und finde auch sonst noch Zeit. Kann Sachen in Ordnung bringen.

 

 

>
Eintrag