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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Der Stellungskrieg, bei dem sich die Frontlinie über lange Zeit immer nur ein paar Kilometer vor oder zurück bewegte, ließ die deutschen Soldaten wochen-, manchmal auch monatelang an ein und demselben Ort bleiben. Quartiere wurden nach Möglichkeit in Häusern der französischen Bevölkerung oder auch in leerstehenden Häusern gesucht. Wiederholt konnte Franz Vogt während seiner mehr als 4-jährigen Soldatenzeit in Frankreich ein sehr vertrautes Verhältnis zu seinen Quartiergebern aufbauen. Über allem stand für Franz Vogt der gemeinsame Glaube. Zusammen mit Franzosen besuchte er die katholische Messe, gemeinsam empfingen sie die Heilige Kommunion. Er wird mit der Zeit fließend Französisch gesprochen haben, so dass es mit der Verständigung bald keine Schwierigkeiten mehr gab.

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

13. November 1914

Man wird immer bekannter hier im Orte, die Leute sind sehr freundlich, lachen und grüßen. Meist haben die Frauen ein freundlicheres Wesen wie in Deutschland, welches man schon bei Kindern bemerkt. Der Ton der Stimme und die ganze Lebensart ist bezaubernd, wenn mir auch sonst manches nicht gefällt an ihnen. Über uns können sie sich natürlich auch nicht beklagen. Man merkt deshalb fast gar nicht mehr, dass man in Feindesland, man lebt sich ganz ein. Wenn die Sprache nicht wäre, da hapert’s. Schade, manches könnt man noch lernen, Land, Leute, Sitte.

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1914-11-15_Weltspiegel-472

Weltspiegel, Wochenbeilage des Berliner Tageblatt, 15. November 1914

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