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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

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Postkarte: privat

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

mail@handschriften-lesen.de www.handschriften-lesen.de

Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

14.–15. März 1917

14. März 1917. Heute wurde verschiedene Male der Schlossgarten beschossen, die Erde dröhnte und zitterte. Man weiß nicht wohin. Heute morgen um fünf Uhr war schon ein mächtiger Angriff auf Ablainzevelle abgeschlagen. Ich war nachher noch vorne. Die Soldaten in den Stellungen zitterten noch vor Aufregung. Der Engländer hatte große Verluste gehabt. Zahlreiche Trupps Gefangene sah ich von Bucquoy herüber kommen. Junge, frische Gesichter.

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Geert Mak: In Europa, Eine Reise durch das 20. Jahrhundert. München 2005, S. 103 »Im Benachrichtigungsbrief der britischen Regierung für die Angehörigen von Gefallenen stand der Standardsatz ›Er starb durch eine Kugel mitten ins Herz.‹ In Wirklichkeit war nur wenigen ein solcher Tod vergönnt. Sehr viele verbluteten langsam zwischen den Linien, wo ihnen niemand helfen konnte, zwischen den sterbenden Eseln und den wimmernden Pferden. […] Bis Ende 1915 hatten die Alliierten an der Westfront mehr als zwei Millionen Mann verloren, Tote und Verwundete, bei den Deutschen waren es 900 000. Auf beiden Seiten arbeiteten Feldlazarette wie Schlachthöfe.«

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Feldlazarett bei Sisonne. Postkarte: privat

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Rosa Luxemburg: Die Krise der Sozialdemokratie, Zürich 1915 »Die Szene hat gründlich gewechselt. Der Marsch in sechs Wochen nach Paris hat sich zu einem Weltdrama ausgewachsen; die Massenschlächterei ist zum ermüdend eintönigen Tagesgeschäft geworden, ohne die Lösung vorwärts oder rückwärts zu bringen. Die bürgerliche Staatskunst sitzt in der Klemme, im eigenen Eisen gefangen; die Geister, die man rief, kann man nicht mehr bannen.«

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15. März 1917. Gott sei Dank, heute morgen sind wir von Ablainzevelle fort nach Courcelles gekommen. Wenigstens etwas besser. Diese Nacht werden sich große Teile unserer Division in rückwärtige Stellungen zurückziehen. Es geht langsam Schritt für Schritt zurück. Spannende Tage. Wird’s gelingen ohne große Verluste?

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Osnabrücker Tageblatt, 14. März 1917

Der nächste Beitrag erscheint am17. März 1917.

 

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