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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Im Westen konnten die deutschen Truppen zunächst ein Vordringen der britischen Verbände verhindern. Aber ohne großen Erfolg. Auf den Schlachtfeldern herrschte ein derartiges Durcheinander, dass oftmals Soldaten sogar durch die eigene Artillerie getötet wurden, auch auf deutscher Seite.
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Berliner Tageblatt, 28. Mai 1915

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

14.–17. April 1915

14. April 1915. Der Befehl ist gekommen. Ich war mit dem Auto nach Châtel, hab denselben mitgebracht. Jetzt wird gerüstet, am 16. muss geräumt sein. Infanterie kommt, Kolonnen sind einmarschiert, ein Trubel hier. Jetzt hab ich schön gebadet, die Pioniere haben eine schöne Badeanstalt angelegt.

15. April 1915. Weiter haben wir gerüstet zum Abmarsch. Vielleicht geht’s diese Nacht noch weg. In Châtel hab ich gefangene Russen gesehen, welche hier zur Arbeit angebracht werden sollen.

16. April 1915. Diese Nacht zwölf Uhr geht’s los. Alles ist gerüstet zum Abmarsch. Heute Abend hatten die Pioniere ein großes Gartenfest im neu angelegten Garten. Springbrunnen, große Leuchtfackeln, Musik, alles da. Das war ein Trubel auf der Straße, als wenn in der Stadt Gartenkonzert ist. St. Georges müssen wir jetzt wieder verlassen. Wohin wir gehen – man wird es nicht eher gewahr, als wenn man da ist. Na, Gott wird unser Geschick wohl leiten.

17. April 1915. Der Kampf wird immer heftiger und die Waffen fürchterlich. Ich bete, daß Ihr gesund bleibt und mich der Tod nicht unvorbereitet trifft. Das tut Ihr auch. Man ist keinen Augenblick sicher. Flieger und Granaten überall. Flieger verfolgen die Züge. Franz   (F. V. über diese Zeit auf einer undatierten Postkarte.)

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Dun den 17. April 1915. M. L. Dun a. Maas ein wunderschöner Ort, leider auch stark mitgenommen. Vorige Nacht abmarschiert, es war herrlich die Nacht, bin sehr gut aufm Damm. Fr. Gruß, Franz. (Postkarte: Sammlung Franz Vogt)

Der nächste Beitrag erscheint am 23. April 2015.

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