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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Für viele ist die Situation längst unerträglich. In einem Feldpostbrief vom 17. Oktober 1914 scheibt ein Soldat: »Ich weiß gar nicht, wofür weiter gekämpft werden soll, vielleicht, weil die Zeitungen die Geschichte in einem anderen Lichte erscheinen lassen, als es in Wirklichkeit ist. […] Wer für den Krieg weiter ist, der ist überhaupt kein Mensch mehr. Die Not könnte nicht größer sein, im Feindesland und auch daheim.« Bernd Ulrich, Benjamin Ziemann (Hg.): Frontalltag im Ersten Weltkrieg; Essen 2008, S. 43

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

14. Oktober 1914

Bahnhof Laon. Kolossaler Betrieb. Der ganze Verkehr erstreckt sich auf Militär. Feldbatterien, Feldküchen. Alles ein Durcheinander. Militär sämtlicher Gattungen. Offiziere, Feldgeistliche. Alles ein Rennen. Sämtliche Züge voll Militär. Oben am Berge sehr schöne Kathedrale. Kirchhof an steilem Abhang gelegen, macht einen ungeheuren Eindruck. Vom Bahnhof geht eine furchtbar steile Strecke direkt den Berg hinauf. Märchenhafte Aussicht. Ständiger Kanonendonner und Flieger in der Luft. Mich beschleichen sonderbare Gefühle bei diesem Durcheinander. Unwillkürlich denk ich an die ruhige Heimat.

Der Zug fährt weiter nach Montcornet. Wir verlassen hier den Zug, und von jetzt an werden wir zu Fuß marschieren müssen. Hier traf ich auf der Straße Heinrich Schulte aus Gesmold. Er war noch gut zufrieden und freute sich riesig, dass er mich getroffen. Abends gab es 70 Tauben in unserem Quartier. Wir kochten in einer Kuhweide ab. Heinrich Schulte war mit an unserem Wachtfeuer und hat noch mit uns gegessen. Wir hatten 5 Nächte in Eisenbahnwagen zugebracht, jetzt konnten wir doch wieder etwas besser die Nacht schlafen.

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