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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Verdun. Am 15. Dezember 1916 starteten die Franzosen einen Gegenangriff gegen deutsche Truppen, der der Schlacht von Verdun drei Tage später ein Ende setzte und damit die längste und teuerste Schlacht des Ersten Weltkriegs beendete. Die Schlacht hatte 10 Monate früher, am 21. Februar 1916, mit der Bombardierung von Verdun und seinen äußeren Forts begonnen.
Am 1. Juli begann die Schlacht an der Somme in Nordfrankreich, und die deutschen Truppen waren gezwungen, Teile ihrer Infanterie und Artillerie abzuziehen. Damit sanken die Chancen auf einen schnellen Sieg in Verdun auf den Nullpunkt. In den Tagen vom 15. bis 18. Dezember zwangen französische Truppen die Deutschen zur Aufgabe ihrer Stellungen.

Insgesamt wurden mehr als 160.000 französische und 140.000 deutsche Soldaten getötet oder galten als vermisst. Obwohl es technisch ein französischer Sieg war, gewann keine Seite an Boden.

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Berliner Tageblatt, 14. Dezember 1916

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

mail@handschriften-lesen.de www.handschriften-lesen.de

Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

15. Dezember 1916

Jeden Tag gehe ich nach vorne, kenne schon so ziemlich die ganzen Stellungen. Mittags ist mein Dienst beendet. Weihnachten kommt näher. Wer dachte, dass wir das dritte Weihnachten im Felde feiern müssten.

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»Das Jahr 1916, besonders seine zweite Hälfte, war innerhalb der vier Kriegsjahre die Zeitspanne, in der bei allen Kriegführenden der Kriegswille am schwächsten war. Es war das Jahr allgemeiner Flüstergespräche über Friedensmöglichkeiten, und man kann nachträglich leicht sehen, warum es so war: Der erste Schwung und Zorn war überall verbraucht, das Stadium letzter Verbissenheit und Verzweiflung noch nicht erreicht. Es war das letzte Jahr, in dem man noch zurück konnte. Es war auch das letzte Jahr, in dem der Krieg sich noch politisch im Rahmen eines sozusagen normalen europäischen Koalitionskriegs hielt; von 1917 an gewann er, mit dem Kriegseintritt Amerikas und der bolschewistischen Revolution in Rußland, eine ganz neue Dimension. Man kann sagen: Erst 1917 wurde er wirklich zum Weltkrieg.« Sebastian Haffner: Die sieben Todsünden des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg, Köln 2014, S. 47 f

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»Da Heer und Marine vorrangig mit Lebensmitteln versorgt wurden, griff der Hunger in der Zivilbevölkerung um sich, und bei Kriegsende waren Hundertausende verhungert. Eine Schlechtwetterperiode Ende 1916 vernichtete fast die halbe Kartoffelernte des Landes und bescherte Deutschland und Österreich-Ungarn den sogenannten ›Steckrübenwinter‹. Mehr als 50 Hungerrevolten brachen aus.« Adam Hochschild: Der große Krieg. Bonn 2014,S. 283

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Am 15. September tauchten ›Tanks‹, die ersten britischen Panzer vom Typ Mark I, auf den Schlachtfeldern an der Somme auf. Sie brachten jedoch nicht den erhofften Durchbruch. Schlecht vorbereitete Bedienungsmannschaften hatten den vielen technischen Pannen und den starken Regenfällen nichts entgegen zu setzen. Viele blieben im aufgeweichten Boden stecken. »Die Schlacht an der Somme versank in Erschöpfung – sie ›brannte langsam aus‹ […] Keine der beiden Seiten hatte einen irgendwie bemerkenswerten Erfolg erzielen können: Angreifer und Verteidiger hatten an der Somme neuartige Formen und Einsatzweisen der militärischen Technik erprobt und erfolgreich angewandt; sie hatten neue operative Strategien und taktische Konzepte entwickelt, einige davon erfolgreich umgesetzt oder nach Misserfolgen wieder verworfen. Beide Seiten gaben vor, als Sieger aus der Schlacht hervorgegangen zu sein– der Preis, den sie hierfür zahlen mussten, war fürchterlich.« Gerhard Hirschfeld, Gerd Krummeich, Irina Renz (Hg.), Die Deutschen an der Somme 1914–1918, Essen 2006, S. 87.

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Am 18. November wurden die Kampfhandlungen an diesem Frontabschnitt [Somme] eingestellt. 420.000 Briten, 200.000 Franzosen, 500.000 Deutsche waren hier gestorben. Schätzungsweise. (R. G. Grant: Der Erste Weltkrieg · Die Visuelle Geschichte. München 2014, S. 185)

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Schokoladenreklame 1916

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Der nächste Beitrag erscheint am 24. Dezember 2016.

 

 

 

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