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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Ein württembergischer Offizier der Feldartillerie schreibt am 20. März 1915 in Ostpreußen in sein Tagebuch: »[…] Der verdammte Russenwind dringt durch alle Fugen ein. Die Richtung ist nach Norden. Weiter geht’s, immer weiter, wohin, ist uns noch nicht bekannt. […] 21. März. Ortsunterkunft Gut Sachen. Der Garten und Park, sowie der große Hof ganz und gar verwüstet. […] Der Besitzer selbst, ein älterer Herr, blieb zu Hause. Er mußte bei Ankunft der Russen jedesmal bei vorgehaltenem Revolver oder Bajonett aus seinem Brunnen ein nicht zu knappes Quantum Wasser trinken, da den Feinden weiß gemacht worden sei, wir hätten sämtliche Brunnen vergiftet. Die Masurischen Seen sind ganz unweit von uns. Mit welch raffinierten modernen Mitteln von unserer Seite gekämpft wurde, zeigen nachstehende Beispiele. Die Drahtverhaue waren elektrisch geladen, mit Hochspannung, so daß der Mann, der diese Drähte berührte unbedingt ein Opfer des el. Stromes wurde. Die Seen, welche zum Teil zugefroren waren, enthielten Minen. Als die Russen über die gefrorenen Seen vorrücken wollen, wurden die Minen entladen und die Gesellschaft stürzte ins Wasser. u. s. w. «

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

20. März 1915

Heute wurde die Frau, welche sich das Leben genommen, begraben. Die katholischen Mannschaften mussten mit der Leiche. Unser Divisions­Pfarrer nahm auch die Beerdigung vor. In der Kirche, wohin die Leiche getragen wurde, haben wir ein Lied gesungen. Im Hause hatte er schon auf französisch gebetet. Am Grabe haben wir wieder ein deutsches Grablied gesungen. Die eingeschüchterten Bewohner von St. Georges verfolgten die ganze Zeremonie mit Interesse und Freude. Heute nachmittag war ich im nahen Berge.

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St. Georges 20. März 15 / Fräul. / Alma Feller / Nienburg a W. / Heiligengeiststr. 6. / Hannover / Geehrtes Fräul. Feller! / Ihre werte Karte heute erhalten! / Es ist beschämend für mich, daß Sie immer so schöne Sachen senden, ich werde nächstens versuchen, mich erkenntlich zu zeigen. Ihr dankb. Fr. Vogt / Gefr. Vogt 1. L. W. R. / Res. Feld Art. 20 / IV Res. Korps (Postkarte: Sammlung Franz Vogt)

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