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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

»An den Frontabschnitten herrschte der Wechsel von lähmender Stille und zermürbendem Trommelfeuer. Nach der ›Feuerwalze‹ begann der Angriff, der an den Stacheldrahtverhauen zum Halten kommen oder nach ihrer Überwindung zum Grabenkampf mit Handgranaten und Flammenwerfern, Bajonett und Kolben führen konnte. Im Gegenangriff wurden oft dieselben 30 Meter, die man eine Stunde oder Tags zuvor verloren hatte, mit denselben Methoden zurückgewonnen. Nach dem sinnlosen Schlagabtausch erstarrte die Front erneut in künstlicher Ruhe.« Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 4, München 2003, S. 104

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

22. März 1915

Heute hörte ich, dass der Vetter der Frau, die sich das Leben genommen, an unser Rotes Kreuz eine Summe gestiftet, zum Dank dafür, dass wir seine Verwandte so schön und feierlich beerdigt.

Heute Abend musste ich auf Wache ziehen. Ein herrlicher Abend. War bis elf Uhr draußen. In Fléville war Konzert, schallte so schön herüber. Um sieben Uhr rückte die Feuerwerferabteilung aus in Stellung. Diese fürchterliche Waffe soll heute zum zweiten Male ausprobiert werden. Man sollte es nicht für möglich halten, dass solche Tod und Verderben sprühenden Spritzen in der heutigen Welt noch angewandt werden können.

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Westfront, Franzosen, Beutegut (Flammen

An der Westfront. Ein von Franzosen erbeuteter deutscher Flammenwerfer.
Quelle: Bundesarchiv Bild 183-S36783

Im Frühjahr 1915 kam es an den Fronten des festgefahrenen Stellungskriegs zu den ersten Einsätzen von Flammenwerfern. Bei diesen Waffen wurden aus speziellen Behältern flüssige brennbare Stoffe, hauptsächlich Flammöl, durch Pressluft oder Pulvergase durch ein Rohr auf die gegnerischen Stellungen geschleudert. Die Entzündung des Brandgemisches erfolgte beim Verlassen des Rohrs durch eine Zündpatrone oder eine elektrische Zündvorrichtung. Am 28. Juni 1919 wurde im Vertrag von Versailles in § 171 die Herstellung und Benutzung dieser Waffen zu Kampfzwecken verboten.

 

 

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