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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Dublin, Ostern 1916. Angeführt von James Conolly und Patrick Pearse rief eine kleine Gruppe von Rebellen, die lrish Volunteers, die mit noch weiteren Widerstandsgruppen die spätere Irish Republic Army (IRA) bildete, den Aufstand gegen die Britische Besatzung aus und forderte eine unabhängige Irische Republik. Der Aufstand begann am Ostermontag, 24. April, mittags um 12 Uhr, und endete nach blutigen Kämpfen und großen Verlusten auf beiden Seiten am 29. April, nachdem Conolly und Pearce die bedingungslose Kapitulation anordneten, um weitere Verluste zu vermeiden. Nach jahrelangen, zähen Verhandlungen trat am 6. Dezember 1922 die Verfassung des Irischen Freistaates in Kraft. Allerdings, die sechs mehrheitlich protestantischen Grafschaften Ulsters entschieden sich durch Volksentscheid für die weitere Zugehörigkeit zum Vereinigten Königreich. Diplomatisch kämpfen IRA und Sinn Féin noch heute für eine vereinigte Republik.

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

23.–25. April 1916

23. April, Ostern 1916. Wunderschöner Morgen. Wenn wir doch zu Hause wären und könnten so richtig Ostern feiern. Bin schon heute morgen ins Freie gegangen und dem Vögel- und Trillergesang nachgegangen. Sonst war ich meist zu Haus. In die Kirche konnte ich nicht gehen. Es ist ja verboten. Habe aber im Garten dem Orgelspiel gelauscht. Heute Abend war ich auch im Felde, bis zum Kreuzweg, wo ein großes Kreuz steht. Vor dem hab ich meine Osterandacht verrichtet und der Heimat gedacht, wo die Osterfeuer jetzt brennen.

24. April 1916. Heute bin ich nach Tournai gefahren, wo ich mich den ganzen Tag aufgehalten habe. Tournai ist eine sehr schöne Stadt. Viel Kunstbauten und herrliche gotische Kirchen findet man dort, vor allem die herrliche Kathedrale mit ihren sieben schlanken Türmen. Schöne breite Straßen mit feinen Plätzen durchkreuzen die Stadt. In den Fenstern sah man immer wieder König Albert mit seiner Familie, mit denen das belgische Volk treuer Patriotismus vereint. Im übrigen herrscht im Lande echt katholischer Geist. Man sieht herrliche Klöster und viel Ordensleute und Geistliche, moderne Krankenpflege und Hospitäler. Freilich wird’s in den Fabrikstädten wohl was gegeben haben, wie bei uns auch. Ich bin heute Abend die große breite Liller Straße nach Cysoing zurückgefahren.

25. April 1916. Musste heute nach Guignies zur Abteilung zum Befehlsempfang. Fünfzehn Kilometer weit durch fruchtbare Täler und Höhen. Belgien ist sehr schön und gut kultiviert. Erkennt man sofort, wenn man über die Grenze kommt. An den Häusern und Bauten sieht man keinen wesentlichen Unterschied. Die Nacht schlaf ich hier und fahre dann morgen früh wieder nach Cysoing.

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Liller Kriegszeitung, 13. April 1916, Kriegsflugblätter</>

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Berliner Tageblatt Ostersonntag 1916.
»Für Zeichnungen und Fotografien, die den Verbrauch von „Müller Extra“ im Felde darstellen, werden folgende Preise ausgesetzt: 50 Preise von je M 100 – M 5000 & 200 Trostpreise von je 1 Fl „Müller Extra“. Bedingungen durch die Sektkellerei Matheus Müller, Hoflieferant, Eltville.«

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Eintrag