<

Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

»In Deutschland diskutierten die Modemagazine ernsthaft, ob Kriegswitwen auch in der Öffentlichkeit Schwarz tragen dürften oder ob die Farbe nicht im Kontrast zu der ›Begeisterung in der Bevölkerung‹ stünde. Die Modehäuser boten in Anzeigen und Katalogen Witwenkleider an, mit Hut und Schleier. Das amerikanische Geschäft Blackshire spezialisierte sich ganz auf schwarze Stoffe. Geschickt bewarb das House of Black, wie sich das Unternehmen selbst nannte, Schwarz als Modefarbe für jede Gelegenheit.«
Simone Reber: Wie der Erste Weltkrieg die Mode prägte in Der Tagesspiegel, 15. Dezember 2014

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

Kontakt: mail@handschriften-lesen.de

Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

23. Februar 1916

Berliner Tageblatt, 23. Februar 1916: »Das Ringen vor Verdun. Die Heldentat der Vierundzwanziger. Während in Frankreich die Bevölkerung zwischen Furcht und Hoffnung die karge Mitteilung Joffres erhält, daß Schneetreiben alle Verbindungen gestört hat, erfreut uns unsere oberste Heeresleitung mit der herzerquickenden Meldung, daß die Panzerfeste Douaumont, der nordöstliche Eckpfeiler der ständigen Hauptbefestigungslinie von Verdun gestern nachmittag durch die brandenburgischen Vierundzwanziger erstürmt worden ist, und sie kann dieser Meldung noch hinzufügen, daß das eroberte Werk fest in deutscher Hand ist. Wir wußten schon aus den Heeresberichten der beiden vorhergehenden Tagen, daß es voran geht bei Verdun, und die neueste Meldung stärkt unsere Gewißheit auf das erhabendste. Es ist jetzt nicht die Zeit zu großen Zukunftsbetrachtungen darüber, welches die höheren militärischen Zwecke des deutschen Angriffs oder auch nur die nächsten strategischen Ziele des Vorgehens auf Verdun sind. Wir wissen wieder einmal, daß wir unserer Heerführung vertrauen dürfen und das muß uns im Augenblick genügen.«

______

1916-03-02_BT

Berliner Tageblatt, 23. Februar 1916

Jörn Leonhard: Die Büchse der Pandora. München 2014, S. 438 »Am Morgen des 21. Februar um 8.12 Uhr eröffnete ein deutsches Langrohrgeschütz das Artilleriefeuer. Das erste deutsche Geschoss, eine Granate des Kalibers 38 Zentimeter, landete 22 Kilometer entfernt in der Nähe des Bischofspalasts von Verdun. Mit einem in dieser Intensität bisher unbekannten Artilleriebeschuss sollten die Sperrwerke und Verteidigungsstellungen des Gegners ausgeschaltet werden. Mit 1400 Geschützen aller Kaliber wurden in den ersten 18 Tagen der Schlacht drei Millionen Granaten verschossen. Das entsprach etwa 30 Munitionszügen pro Tag.«

______

Gerd Krumeich im Interview mit Katja Iken, SPIEGELONLINE, 16. Februar 2016.»Einzigartig an Verdun ist […] vor allem diese Kombination aus modernster Fernartillerie und archaischsten Formen des gegenseitigen Tothauens. Der Feind war fast immer in Sichtweite, hier kämpfte Mann gegen Mann, Würgegriff gegen Würgegriff. Mit Knüppel, Messer, Spaten als bevorzugte Mordwerkzeuge – und das unter Beschuss durch die modernsten Waffen, die es damals gab: Flammenwerfer, Giftgas, schwere Artillerie, Jagdflieger.«

______

Die Verluste bei den Kämpfen um Verdun werden auf 160.000 getötete Soldaten auf französischer Seite und 140.000 getötete Soldaten auf deutscher Seite geschätzt. Darüberhinaus schätzt man auf beiden Seiten noch einmal ebenso viele Verletzte bzw. Vermisste.

______

1916-02-23_472

Lille, Rue de Ronchin nach der Exlosion am 11. Januar 1916. Fotografie: Franz Vogt.

 

Der nächste Beitrag erscheint am 4. März 2016.

 

>
Eintrag