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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

24.–25. Juni 1917

24. Juni 1917. Sonntag. Heute sind wir schon acht Tage hier. Es waren schöne Zeiten. Heute morgen war ich im Hochamt, sie war voller Männer und Frauen. Für Kinder ist noch eine kleine Schulkirche da. Französische Verhältnisse herrschen hier nicht. Die Geistlichen führen das Ruder und halten es straff. Man kann es an dem ganzen Auftreten dieser Leute sehen. Der Pastor predigte so selbstbewusst. Ich konnte zwar nicht alles verstehen, aber es schien eine ganz politische Rede zu sein. Er setzte den Leuten auseinander, wie sie sich zu der Lage Belgiens stellen sollten. (Belgier wü wi bliewen.) Spaßig hört’s sich doch an, z.B.: Monke Mansken hebt den Döbel in Nacken, ich sagt ju, de Döbel hält ju. Die Gegend, Häuser und Leute, erinnern einen an das Münsterland, wie ein Teil von Frankreich auch.

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Flandern 22. Juno 17. Liebe Mutter und Geschw! Wenn diese Karte kommt, sind wohl die Festtage vorüber. Vielleicht sind wir nicht in Stellung am Feste. Franz. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

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25. Juni 1917. Plötzlich konnte ich heute in Urlaub fahren. Fuhr heute Abend um sechs Uhr von Meulebeke ab über Gent, Mecheln, Leuven, Lüttich, Aachen, Köln, Düsseldorf, Essen, Bochum, Dortmund, Hamm, Rheda, Bielefeld, Herford, Löhne, Melle, Gesmold. Zu Hause staunten sie, wie ich am 26. nachmittags vier Uhr ins Haus geschneit kam.

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Der nächste Beitrag erscheint am 1. Juli 2017.

 

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