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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

»Der ›Weihnachtsfrieden‹(englisch: Christmas Truce, also ›Weihnachtswaffenstillstand‹) wie er später hieß, wurde zur Legende und vielfach gefeiert in Büchern, Gedichten, Liedern, Kurzgeschichten, Zeichnungen, einem französischem Spielfilm und einem Musikvideo von Paul McCartney.« Adam Hochschild: Der große Krieg. Bonn 2014, S. 181.
Tagebucheintrag, 25. Dezember 1914, ĂĽber die Begegnungen im Niemandsland.

Tagebucheintrag, 25. Dezember 1914, ĂĽber die Begegnungen im Niemandsland.



Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

mail@handschriften-lesen.de
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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

25. Dezember 1914

Weihnachten im Felde. Es ist jetzt Mittag und wir haben unsere Festmahlzeit bereitet, bestehend aus Brötchen und Suppenfleisch, kalten Kaffee. Ein wunderschöner Morgen war’s. Um acht Uhr bin ich schon aus meiner Bude herausgekrochen. Musste immer wieder an Haus und Heimat denken. Habe lange Spaziergänge gemacht, habe Gräber am Waldesrand besucht, herumliegende Ausrüstungsstücke gesammelt. Um neun Uhr war ich am Telefon. Da riefen Infanteristen aus dem Beobachtungsstand: Unsere Infanterie ist mit der feindlichen in der Mitte zusammengekommen. Haben einen Tannenbaum. An der einen Seite steht Fröhliche Weihnachten, an der anderen Seite Nöel tot jeu. Freund und Feind drücken sich die Hände, trinken einander zu und reden miteinander. Ein selten Schauspiel.

Um zehn Uhr kamen Eisenbahnoffiziere. Wollten auch mal etwas näher an die Front, um Erlebnisse zu machen. Längere Zeit waren sie in unserer Stellung, entschlossen sich dann weiter zur Infanterie vorzugehen. Ich sollte als Führer mit. Wir sind dann, zehn Mann an der Zahl, losgeschoben. Aber nicht weit waren wir vor, da kamen drei Schüsse herangesaust. Flugs machten unsere Herren kehrt.

Unser Dienst ging so wohl bis sechs Uhr abends, aber zwei Uhr kam schon der Befehl, wir könnten abrücken. Haben dann nicht mehr auf den Wagen gewartet, sondern sind zu Fuß langsam nach Bazancourt gegangen. Ein sehr schöner Spaziergang bei wundervollem Wetter, leichter Frost. Weil wir aber unterwegs in sonniger Lage lange ausgeruht und auch sonst sehr viel Zeit gebraucht, kam uns der Wagen in Boult entgegen.

»Die erste Aufnahme bei Licht, welche ich machte. Ich sitze am Klappenschrank in der Telephonstation im Unterstand. Aufnahme ist noch nicht geglückt, nächstens sende ich Euch eine bessere. Ich weiß nicht recht, ob ich hier bleibe, es gefällt mir ganz gut hier, ist mir bloß zu nahe an der Front, um dauernd hier zu sein. Franz.«

»Die erste Aufnahme bei Licht, welche ich machte. Ich sitze am Klappenschrank in der Telephonstation im Unterstand. Aufnahme ist noch nicht geglückt, nächstens sende ich Euch eine bessere. Ich weiß nicht recht, ob ich hier bleibe, es gefällt mir ganz gut hier, ist mir bloß zu nahe an der Front, um dauernd hier zu sein. Franz.«

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