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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

27.–31. Dezember 1914

27. Dezember 1914. Sonntag, dritter Weihnachtstag. Heute morgen hatten wir hier in Bazancourt Hochamt. Wir haben tüchtig Weihnachtslieder gesungen. Kamen auch noch französische Frauen herein. Meist ist kein Gottesdienst hier, weil der Geistliche geflüchtet. Heute Nachmittag bin ich für mich allein ausgegangen nach Boult und jetzt gerade hab ich mir einen guten Kaffee gekocht und Kuchen dazu gegessen von Hause.

28. Dezember 1914. Weihnachten ist vorüber, der zweite Teil des Krieges beginnt. Bis jetzt haben wir uns immer zwar auf das Fest gefreut und auf die Grüße aus der Heimat, und die Lieben zu Haus haben gearbeitet und gepackt, um uns Freude zu machen. Hatten wir doch alles hier, Tannenbaum mit Kerzen, Kuchen und Gebäck. Haben mehr gegessen von diesen süßen Sachen wie sonst zu Haus. Jetzt wird die Zeit wieder ernst. Kommen bald ins Neue Jahr, ins Kriegsjahr 1915. Gott gebe, dass es das Jahr des Friedens werde.

29. Dezember 1914. Wieder ein Tag vorüber. Hatten Fahrübung über Pomacle-Lertemes und zurück. Lavannes, unser altes Stammquartier, haben wir auch wieder gesehen. Unser Hauptmann ist Gemütsmensch, die alten Quartiere sucht er immer mal wieder auf und ist stets freundlich zu Leuten, auch wenn sie niedriger gestellt.

30. Dezember 1914. Heute hatten wir wieder Gelegenheit zur heiligen Beichte und Kommunion zu gehen und zwar in Boult. Waren zwei Geistliche dort. Es ist gut, dass in dieser Weise auch für uns gesorgt wird. Man hat’s nie nötiger wie in dieser ernsten Zeit.

31. Dezember 1914. Silvester. Heute und morgen beginnt das neue Kriegsjahr. Was wird’s bringen? Heute Abend ging’s toll zu, wurde richtig gefeiert. Um zwölf Uhr war’s alle. Ein Knallen. Jeder schoss aus seinem Karabiner nach Herzenslust. Es war ein rein wildes Wettern, Singen und Knallen. War rein gefährlich auf der Straße.

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Berliner Tageblatt, 29. Dezember 1914

 

 

 

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