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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

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Berliner Tageblatt, 4. November 1914

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

mail@handschriften-lesen.de www.handschriften-lesen.de

Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

3.–5. November 1914

3. November 1914. Wieder haben wir schönes Wetter und es ist eine Lust im Felde herumzutollen. Ab und zu fallen schwere Geschütze, sonst meist Ruhe. Fern im Westen soll harter Kampf sein. Unsere Artillerie ist diese Nacht 1000 m vorgegangen.

4. November 1914. Heute morgen sind wir mit der Dreschmaschine ganz an die andere Seite des Dorfes gefahren. Man kann keine Haferdiemen mehr finden, alles ist schon abgedroschen. Was die Leute füttern und essen wollen dieses Jahr, ich möcht’s wohl wissen. Es ist sehr schön im Felde beim Dreschen. Besonders jetzt, wo die Bauern wieder etwas zu ackern anfangen und nicht mehr alles so tot ist. Wie überall so sind auch hier wieder lange Reihen Fichten gepflanzt, vielleicht 10 Bäume nebeneinander, man macht das der Zugluft und Wärme wegen. Es gibt dem Gelände ein schönes, wechselreiches Ansehen. Heute Abend habe ich die erste Karte aus der Heimat bekommen, datiert vom 24. Oktober.

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Berliner Tageblatt, 4. November 1914

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5. November 1914. Die Nacht war ich Wachhabender bei der Parkwache. Der Kampf scheint im Zentrum wieder arg zu wüten. Diese Nacht hörte man unaufhörliches Schießen der Infanterie und der schweren Artillerie. Heute morgen wurde laut, dass in Bourgogne 8 schwere Schüsse eingeschlagen wären, auch soll ein Kriegsfreiwilliger von einem Sprengstück im Hause getötet sein. Schauerlich hört es sich an des Nachts, die Infanteriefeuer und dazwischen die schweren Artilleriegeschosse. Infanterieregiment 73 soll diese Nacht wieder 1 km vorgegangen sein.

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