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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

»Es ist schmerzlich zu sehen, wenn vielfältiger Jammer und endloses Elend von der Front heranfluten, und man alle Hände voll zu tun hat – und doch noch ein Dutzend Hände mehr brauchte. Es ist schmerzlich, jungen Leuten die Gliedmaßen wegnehmen zu müssen, ohne ihnen einen einigermaßen ausgleichenden Ersatz geben zu können. Es ist schmerzlich, so viele sterben zu sehen, ohne daß ihnen die Kunst anders zu helfen vermag, als ihnen das Sterben zu erleichtern.« Ferdinand Sauerbruch 1916. Als einer der ersten Wissenschaftler arbeitete Sauerbruch an der Entwicklung einer beweglichen Armprothese.

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

Kontakt: mail@handschriften-lesen.de www.handschriften-lesen.de

Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

30. Juli 1916

30. Juli 1916. Die Woche ist wieder hingelaufen, den anderen nach. Schnell geht die Zeit hin. Ich war dieser Tage auch nach Bapaume. Die Stadt sieht jetzt anders aus. Sehr viele Häuser waren kaputt geschossen. Kostbare Sachen lagen auf den Straßen herum. Die Bevölkerung schlich herum, triste, wie herrenlose Katzen. Wohnten alle in den Kellern. Ich war auch hinter der Front im Kampfgebiet. Ungeheuer viel Militär war hier zusammen getrommelt. Alles Biwaks und Zeltlager.

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»Donnerschläge grollen unterm grossen, bleichen Himmel und jedesmal, wenn ein Blitz rotleuchtend aufzischt, zerfällt ein Feuerstrang dort unten, wo die Nacht noch dunkelt und eine Rauchwolke steigt hinauf ins anbrechende Morgenlicht. Hoch oben, in der Ferne hört man den Flug schrecklicher, unsichtbarer Vögel, die mit machtvollem und schnurrendem Atemzug zum Himmel steigen, sich die Erde zu besehen.« Henri Barbusse: Das Feuer. Zürich 1918/Hamburg 1913, S.13

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Zeichnung von Kurt Hassenkamp in: Der Weltspiegel, Illustrierte Halb-Wochenschrift, Berliner Tageblatt, 30. Juli 1916

Der nächste Beitrag erscheint am 6. August 2016.

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