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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

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Berliner Tageblatt, 4. März 1916

Franz Vogt hat wahrscheinlich keine Kriegsanleihe gezeichnet. Wenn er es getan hätte, dann hätte er darüber geschrieben. Er war Kaufmann und zählte jeden Groschen. Sein militärischer Rang war ihm gleichgültig. Das sonst so heiß begehrte ›Eiserne Kreuz‹ interessierte ihn überhaupt nicht. Er erwähnt es ein einziges Mal, weil zwei Pfarrer es erhalten hatten.

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

Kontakt: mail@handschriften-lesen.de

Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

4. März 1916

März 1916

Auch dieser Monat scheint sich den anderen ruhig anreihen zu wollen. Freilich bei Verdun gibt’s schwere Tage. Hier alles ruhig. Einige Male wurden abends Fliegerangriffe gemeldet, sind aber keine gekommen.

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»Auch die beiden Kundschafter am Waldesrand sind im März 1916 ausgeritten, um herauszufinden, wie sich später im Schutz der Dunkelheit mit Pferdefuhrwerken Munition an die Front bringen lässt. Wo gibt es eine Lücke? Leutnant Marc und sein Bursche wähnen sich sicher, denn sie befinden sich etliche Kilometer von der französischen Linie entfernt. Doch so ungeschützt und arglos da zu hocken kann im modernen Krieg gefährlich sein. […] Der vermeintlich sichere Ausritt vom 4. März endet tödlich. Über viele Kilometer fliegt, wie aus dem Nichts, eine französische Granate heran und detoniert am Waldesrand. Unzählige Granatsplitter treffen Franz Marc und verwunden ihn schwer. Hilflos musste sein Bursche mitansehen, wie der Maler in seinen Armen verblutet. So endet der letzte Ausritt eines ›blauen Reiters‹.« Reinhard Osteroth in Die Zeit, 7. Januar 2016

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In seinem letzten Brief an seine Frau Maria schrieb Franz Marc am 4. März 1916: »Ja, dieses Jahr werde ich auch zurĂĽckkommen in mein unversehrtes, liebes Heim, zu Dir und zu meiner Arbeit. Zwischen den grenzenlosen schaudervollen Bildern der Zerstörung, zwischen denen ich jetzt lebe, hat dieser Heimkehrgedanke einen Glorienschein, der gar nicht lieblich genug zu beschreiben ist.« (Oliver Schulz: Franz Marc – Eine Biographie. Zeno.org, 24. Juni 2014)

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»Ich will unten am Bach ein paar Anemonen pflücken gehn und den Strauß auf den Hügel legen, wenn die Sonne feierlich niederbrennt. Und mit allen, die ihn liebten, will ich leise sprechen: lebe wohl, blauer Reiter!« Paul Zech: Von der Maas bis an die Marne. Rudolstadt 1986. S. 128

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Der Weltspiegel, Beilage im Berliner Tageblatt, 5. März 1916

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Der nächste Beitrag erscheint am 11. März 2016.

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