<

Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Im Sommer 1917 verwandelten starke Regenfälle die Schlachtfelder in Schlammwüsten. Die zur Entwässerung gegrabenen Kanäle waren durch gegnerischen Beschuss zerstört worden. Notdürftig mit Brettern befestigte Wege gaben wenig Halt und wenn die mit 40 kg und mehr beladenen Soldaten von diesen Wegen abrutschten, versanken sie im Schlamm.

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

mail@handschriften-lesen.de www.handschriften-lesen.de

Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

5. August 1917

Sonntag heute, und was für einer. Die Wehmut kommt einem, wenn man an Haus denkt, an die schönen Sonntage. Fünf Tage schon liegen wir draußen, hinter der Hecke, nahe am Feind. Alle paar Stunden müssen wir anderen Schutz suchen. Tod und Wunden reißt der Krieg unter die Kameraden. Strömender Regen, schon fünf Tage. Erbarmen, oh Herr, um der Unschuldigen willen. Heute am Sonntag bin ich mit dem Regiment etwas zurückgekommen, aber immer noch im Bereich des Feuers. Schmerzdurchwühlt sitze ich im Wald und denke an die schönen Sonntage zurück, die ich gegen Herbst zu Hause verleben durfte. Manches wird später anders werden.

_____

Der Friedensappell von Papst Benedikt XV. am 1. August 1917, genau drei Jahre nach Kriegsbeginn, blieb ohne Wirkung. Die geschwächten Armeen rekrutierten immer jüngere und immer ältere Männer. 50jährige Männer bekamen ihren Einberufungsbefehl, 16jährige Jungen wurden militärisch ausgebildet.

______

1917-08-05_Navarin472

Das Totendenkmal von Navarin in Souain-Perthes-les-Hurlus mit Krypta und Beinhaus, in denen die Überreste von mehr als 10.000 Soldaten aller Nationalitäten ruhen. Foto: G. F.

______

Der nächste Beitrag erscheint am 10. August 2017.

>
Eintrag