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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

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Osnabrücker Tageblatt, 5. Oktober 1916

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

5. Oktober 1916

Schlechtes Wetter jeden Tag, und der Krieg wütet weiter. Hierzulande schreit es nach Ende, nach erbarmender Liebe, aus den sturmgepeitschten Lüften, aus dem Dreck und Kote der Straßen und Kampfgebiete und Gräbenlabyrint, aus den Trümmern der Wohnstätten. Das Elend, das uns täglich angreift, geht dem Härtesten an die Nerven. Es ist ja alles schlimmer, als man je ahnen konnte. Man freut sich, wenn der Feind eine Schlappe erlitt. Dann kommt aber wieder das Mitleid mit den Gefangenen, Verwundeten und mit dem armen Volke, dass so unschuldig zwischen das Ringen geraten. Und noch kann man sich kein Ende vorstellen.

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Französische Feldpostkarte. Sammlung Franz Vogt.

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»Man braucht ja nur zu lieben, dann fällt kein Schuß mehr. Dann ist der Friede da. Kinder sind wir dann auf unserer Erde … Der ganze Erdteil weint. Daran merkt man doch, daß der Erdteil fähig ist zur Liebe. Ganz hoffnungslos wäre erst dann alles, wenn Europa lachen würde, weil ganz Europa blutet. Aber es gibt kein Haus in Europa, in dem nicht die Tränen fließen. Das ist die Liebe, die aus den Menschenaugen heraus weint, weil sie vertrieben worden ist aus den Herzen der Menschen.« (Leonhard Frank: Der Kellner, 1916, vgl. Wilhelm Krull: Krieg von allen Seiten, Prosa aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Göttingen 2013, S. 84)

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Osnabrücker Tageblatt, 5. Oktober 1916

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Der nächste Beitrag erscheint am 13. Oktober 2016.

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