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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

»Sie ziehen hin und her an der Westfront, als seien sie dort an die Kette gelegt. Welche Plätze zwischen der flandrischen Küste und dem Elsaß sind ihnen noch unbekannt? Nicht mehr allzu zahlreiche. Sie haben Gastspiele gegeben vor Lille, vor Douai, vor Cambrai-Bapaume, vor La Fére. vor Laon. Sie sind gependelt zwischen Dixmuiden am Meer und Mülhausen. Trotzdem steht ihnen noch manches bevor an dieser, immer an dieser Front!« A. M. Frey: Die Pflasterkästen, Ein Feldsanitätsroman, Coesfeld 2015, S. 153

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

6.–7. Juli 1917

6. Juli 1917. Morgen muss ich fort. Schade, die schönen Tage gehen immer so schnell vorüber. Ich hab alles nachgesehen hier, alles hat mir Freude gemacht, besonders, dass Mutter so gut zufrieden ist. Elise kauft fleißig ein und Mutter verkauft. Was gäb’ ich darum, könnt’ ich hier bleiben. Nirgends ist’s so schön wie hier. Ich hab viel gesehen, Belgien und Frankreich, nirgends verteilt sich das Angenehme so mit dem Praktischen wie in unserem schönen Gesmold. Um uns haben wir schöne Berge, während im Tale herrliche Äcker und Wiesen. Es ist mir so weh ums Herz, wenn ich daran denke, wieder zurück zu müssen in das elende Leben.

7. Juli 1917. Heute morgen bin ich zur heiligen Kommunion gewesen. Nachher war ich noch oben am Loh, dieses kleine Holz, welches immer wieder in unseren Jugenderinnerungen vorkommt. Ich habe mich umgeschaut, in die Nähe und Ferne, und wieder feststellen müssen, es gibt nur ein kleines Gesmold nach alle dem, was ich jetzt in fernen Ländern gesehen. Wie krampft sich mein Herz zusammen bei den Gedanken an Scheiden. Ich sehe es schon kommen, heute Nachmittag werde ich mich tapfer halten, zur Bahn gehen, im Zuge die alte Dorfansicht suchen, so lange, bis ich am Waldrand hinter der Ledenburg vorbeifahre. Dann weine ich, bin dann in einer fremden Welt. Ob ich wohl noch mal wiederkomme? Ob ich nach Kriegsende das Glück habe, in der Heimat das Leben zu beschließen? Mir bangt so vor der Zukunft. Könnte ich doch noch heimkehren und alle gesund wiedertreffen. Wir wollten noch einmal glücklich sein. So viele sind noch schlimmer dran wie ich, haben Frau und Kinder, ich will tapfer diesen Wehmutsgedanken bekämpfen, mutig in die Zukunft schauen und auf Gott meine Zukunft bauen.

 

 

 

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