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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Der württembergische Pionier Fritz Steinle schrieb in Ulm im September 1914 in sein Tagebuch: »Man ging umher, keine Lust zur Arbeit, sah fast mit Wehmut den ins Feld rückenden Truppen nach und kam sich selbst so vor, wie ein Eisen, das anfängt zu rosten. Steh ich, so rost ich!« Privatbesitz.

Oskar Schlemmer schrieb während eines Lazarettaufenthaltes in Stuttgart im Herbst 1914 an seinen Schweizer Freund Meyer-Amden: »Ich würde mich wieder melden, auch wenn ich dableiben könnte. Hier ist es so, daß es für einen jungen Menschen eine Schande ist, herumzulaufen. Auch ohne dies – es ist jetzt das einzig Richtige […] Gäbe es denn eine bessere Lösung für mein armes Herz als das Feld – zumal der Ehre!« (in Mathias Eberle: Der Weltkrieg und die Künstler der Weimarer Republik. Stuttgart 1989. S. 114)
Selbst das Drachensteigenlassen war verboten. Osnabrücker Zeitung, 5. August 1914

Selbst das Drachensteigenlassen war verboten.
Osnabrücker Zeitung, 5. August 1914



Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

6. August 1914

Ich bin wieder zu Hause angekommen. Ich hatte freilich nicht daran geglaubt. Dachte ich doch, dass ich sofort in Feindesland hätte müssen. Es wurde uns aber gesagt, dass wir jeden Tag wieder einberufen werden könnten. Heute morgen 9 Uhr wurden wieder 20 Mann vom Kriegerverein zur Bahn gebracht. Wieder ist manches Auge feucht geworden. Na bald werd ich auch wohl wieder an der Reihe sein, hier möchte ich auch nicht bleiben.

Bekanntmachung in der Osnabrücker Zeitung vom 10. August 1914: »Flugzeuge. Nach Mitteilung des Chefs des Generalstabes des Feldheeres sind sämtliche Truppen belehrt worden, nur auf die Flugzeuge zu schießen, die mit absoluter Sicherheit als Feind erkannt sind. Erkennungszeichen französischer Flugzeuge blauweiß-rote Kokarde. Indem wir die Bevölkerung hierauf hinweisen, machen wir besonders noch darauf aufmerksam, daß das Schießen auf Flugzeuge, die nicht einwandfrei als feindliche Flugzeuge festgestellt werden können, zu unterbleiben hat. Osnabrück, den 10. August 1914. Die Polizei-Direktion. Reimerdes.«

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Der nächste Eintrag erscheint am 12. August 2014.

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