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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Kresten Andresen, dänischer Soldat in der preußischen Armee, 23 Jahre, am 8. August 1916 an der Somme: »Ich hoffe doch, ich habe das Meine getan, jedenfalls für den Augenblick. Was in Zukunft geschehen wird, kann man ja nicht wissen. Und wenn wir auf den tiefsten Grund des Meeres versetzt würden, wir würden kaum irgendwohin kommen können, wo es schlimmer ist als hier.« Peter Englund: Schönheit und Schrecken, Berlin 2011, S.285

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

Kontakt: mail@handschriften-lesen.de www.handschriften-lesen.de

Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

6. August 1916

6. August 1916. Wieder eine bewegte Woche vorüber. Ich war in Cambrai und in St. Quentin. Letztere eine ganz nette Stadt mit vielen freien Plätzen und Denkmälern. Der Krieg hat der Stadt immer arg mitgespielt. Man sieht Denksteine aus allen Kriegen. In diesem Kriege ist die Stadt ziemlich schonend in deutsche Hände übergeben. Am 1. Juli war wieder ein großes Bombardement gewesen. Bomben waren in einen Minentransportzuge geflogen und hatten eine furchtbare Detonation hervorgerufen. Sämtliche Schaufenster waren eingedrückt und demoliert. Auch die herrliche Kathedrale hatte etwas gelitten. Die herrlichen Parkanlagen fand man hier auch wie in anderen französischen Städten. Einen Tag habe ich mich auch in Cambrai aufgehalten.

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1916-08-01_JT472

Jeanne Thomassin, Tagebuch 1. August 1916.
(1 J 727/1 Archives-Ardennes)

Aus dem besetzten Matton 1916. Tagebuch der 18jährigen Jeanne Thomassin. (Die Tagebücher von Jeanne Thomassin befinden sich im Archives départementales des Ardennes, Charleville und wurden von François Gille, Matton-Clémency, für diesen Blog zur Verfügung gestellt.)

Montag, 1. August [1916]. Der Krieg geht nun heute ins dritte Jahr und noch immer ist keine Wende in Sicht. Der Angriff auf Verdun ist wohl beendet worden, denn man hört von dort keinen so lauten Kanonendonner mehr. Aber es wird gesagt, dass die Engländer im Norden angreifen und die Scheiß-Deutschen sich an der Somme zurückziehen müssen. Wir arbeiten jeden Tag für die Kommandantur und werden regelmäßig bezahlt. Auf den Feldern begleiten uns jetzt Soldaten mit Gewehren; sie sagen, für den Fall eines Luftangriffs. Man erzählt sich, dass französische Flugzeuge Carignan bombardiert haben. Dabei gab es keine Opfer unter der Zivilbevölkerung. Montmédy wurde bereits heftig bombardiert. Die materiellen Schäden waren beträchtlich. Schließlich gab es sowohl in der Zivilbevölkerung als auch beim Militär Tote; viele Häuser wurden zerstört. Man versteht zwar, dass unsere Franzosen gute Gründe haben, Munitionslager, Eisenbahnlinie etc. zu zerstören, aber es ist für sie traurig, dazu gezwungen zu sein, ihr Land zu zerstören und möglicherweise auch ihre Landsleute zu töten. (Übersetzung G.F.)

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Der nächste Beitrag erscheint am 13. August 2016.

 

 

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