<

Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

mail@handschriften-lesen.de
www.handschriften-lesen.de

Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

6. Januar 1915

6. Januar 1915

Heilige Drei Könige. Welche frohen Erinnerungen und welcher Kontrast. Früher der schöne Feiertag und heute das Gegenteil. Jetzt liege ich hier im Unterstand vor dem Feinde. Ab und zu kommt eine feindliche Granate herüber und will uns Tod und Verderben bringen. Früher erzählten wir am Tannenbaum, jetzt liegen wir hier in den Tannen im unheimlich stillen Tale, wenn nicht schwere Schüsse oder Infanteriefeuer, welche Feind und Freund einander zusenden, die grausige Stille stören. Ab und zu schleicht ein Wagen vorbei, welcher nur bei Dunkel die Fahrt in die Stellung wagen darf. Oder es trabt ein Reiter durchs Feld, welcher noch eine wichtige Meldung zu bringen hat. Was wird der morgige Tag bringen. Wir wollen uns dem Herrn empfehlen.

1915-01-06_berlinertageblatt02

Inserat im Berliner Tageblatt, 6. Januar 1915

>
Eintrag