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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

7.–8. April 1915

7. April 1915. Da haben wir wieder einen interessanten Tag hinter uns. Um acht Uhr sind wir abgerückt. Es ging über St. Juvin, Fléville, Etery, Apremont, Varennes, Véry, sind bereits ganz kaputt geschossen. In Véry wurden gerade noch tote Pferde rausgeschleppt. Es waren gestern mehrere schwere hereingekommen und hatten ihre Opfer gefordert. Vor allem hatte die Kirche schwer gelitten, der katholische Geistliche holte gerade die Wertsachen heraus.

Unsere Stellung ist vor Vauquois, der berühmten Höhe, wo das Dorf gestanden, aber kein Stein auf dem anderen geblieben ist. Ein Jäger erzählte mir, dass der Steinhaufen schon mehrere Male umgearbeitet wurde. Die Kämpfe sind hier dauernd furchtbar gewesen, davon können die vielen Schlaglöcher erzählen und die Massengräber, welche man überall sieht. Und die Gegend ist so schön, so saftige Wiesen, immer Berg und Tal, schöne Bäche, reißende Flüsse, anmutige Mühlen, aber alles verwüstet. Friedliche Dörfer auf den Höhen, schön angelegte Friedhöfe, alles verwüstet.

In der Stellung mussten wir Munition abgeben, musste im Trabe einfahren, kriegten auch feste Feuer, aber alle zu kurz. Nachher konnten wir auf demselben Wege zurückfahren. Eine interessante, aber gefährliche Fahrt.

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Nécropole nationale de la Ferme de Suippes. Christen und Moslems Rücken an Rücken und Seite an Seite. © Gisela Fleischmann, April 2017

8. April 1915. Heute mussten wir die Munition verpacken. Zwei Wagen mussten Munition zu den Abwehrkanonen bringen, Heute Nachmittag hatten wir ein Gewitter, jetzt wird’s wohl Sommer werden. Um fünf Uhr musste ich auf Wache ziehen.

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