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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

1. August 1914

Die Familie Vogt

Franz Vogt wurde gleich zu Beginn des Ersten Weltkrieges eingezogen. In vier kleinen schwarzen Kladden schrieb er seine Erlebnisse und Beobachtungen auf. Das, was die Welt verändern sollte, aber auch scheinbar Nebensächliches. Daneben hat er fotografiert und Postkarten geschrieben.

Die Familie Vogt hatte in Gesmold ein Geschäft für Haushaltswaren, Werkzeuge, Schreibartikel, Gartengeräte und vieles mehr. Vom Bleistift bis zum Bindfaden, von der Kuchenform bis zur Kristallvase, vom Nachttopf bis zur Mistgabel. Unter dem Titel ›Warenkaufhaus Franz Vogt‹ hat Bernd Meyer in der Ausgabe 150 der Schriftenreihe des Heimatvereins Gesmold e. V. Dat Gessemske Blättken, März 2014, die Geschichte der Familie ausführlich dargestellt.

Nach dem frühen Tod des Vaters Franz Heinrich lebten im Vogt’schen Haushalt die Mutter Maria Elisabeth geb. Wiemann und die Kinder Franz (der Tagebuchschreiber), Elisabeth und Heinrich. Mutter und Schwester besorgten den Haushalt, Franz das Geschäft und Heinrich hatte eine Schusterwerkstatt im Haus. Die drei Geschwister blieben unverheiratet.

Während der Kriegsjahre führten die Mutter, die Schwester und der Bruder auch das Geschäft. Wie in Gesmold noch bis in die 1950er Jahre üblich, gehörte dazu ein Gemüsegarten, ein paar Hühner, ein Schwein und eine kleine Landwirtschaft.

In einer Art Selbstgespräch hält er Erfahrungen und Erlebnisse fest. Erschreckend naiv aus heutiger Sicht. Oft beschreibt er nur die Ereignislosigkeit und das Warten. Vieles bleibt vage, wird lediglich angedeutet, womöglich auch wegen der für ihn sicher schwer nachvollziehbaren und unverständlichen Zensurauflagen der Heeresleitung für private Notizen und Feldpost. Nichtbeachtung wurde bestraft. Eine Folge war die schlimmste aller Zensuren, die Selbstzensur. Die Schere im Kopf.

Franz Vogt war Gefreiter der Landwehr, auf der militärischen Karriereleiter ganz unten. Da werden weder Fragen gestellt noch Entscheidungen getroffen. Antworten wird es im Folgenden kaum geben, auch keine Provokationen. Irritationen sind gewollt. Die Wahrheit bleibt, wie immer, verborgen. Damals wie heute. Ein Mosaik, in dem jedes Teilchen mit trauernder Erinnerung belegt ist. Für Franz Vogt war die Mobilmachung ganz sicher kein Aufbruch zu einer patriotischen Fahrt ins Blaue.

Erich Maria Remarque schreibt in seinem Buch Im Westen nichts Neues.:»Am vernünftigsten waren eigentlich die armen und einfachen Leute; sie hielten den Krieg gleich für ein Unglück, während die bessergestellten vor Freude nicht aus noch ein wußten, obschon gerade sie sich über die Folgen viel eher hätten klarwerden können. « (In einer neuen Ausgabe Frankfurt am Main 1988, S. 14)

Die »Kriegserlebnisse« des Gefreiten Franz Vogt, Kaufmann in Gesmold (1879–1944) werden auf den Tag genau nach 100 Jahren vom 2. August 2014 bis zum 16. Dezember 2018 veröffentlicht. Sie beginnen am 2. August 2014 mit dem ersten Eintrag von Franz Vogt vom 2. August 1914. Damit erhält einer der Millionen Namenlosen aus dieser Katastrophe eine Stimme.

Franz Vogt in Frankreich Fotopostkarte September 1915

Franz Vogt in Frankreich Fotopostkarte September 1915

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