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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

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Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

18.–20. Juni 1918

18. Juni 1918. Heute abgefahren nach Tournai, weiter soll’s gehen nach Flandern. Jetzt ruhe ich aus in einem Café genannt Alt-Tournai. Das Lokal macht seinem Namen alle Ehre. Alte Malereien, Häusergruppen und stilvolle Giebel und Türme zieren die Wände. Jetzt ist es Soldatenheim. Ein Soldat spielt Klavier. Die Musik stimmt freudiger und erweckt Hoffnungen und Erinnerungen. Der Blick und Gedanke geht zur Heimat. Bei mir löst sie einen harten Schmerz aus. Zu meinen Erinnerungen gehörte Mutter und meine Mutter ist nicht mehr. Wie der Schmerz brennt, wird die Wunde nie heilen? Ich fuhr weiter über Mouscron, Courtrai, wo ich wieder 4 Stunden Aufenthalt hatte, kam dann um 11 Uhr in Meulebeke an. Courtrai ist auch eine sehr schöne, echt flandrische Stadt. Ich habe dann in Meulebeke ein Nachtquartier in der Schulstraße erhalten.

19. Juni 1918. Heute morgen bin ich zu meinem alten Quartier gegangen, die Leute freuten sich so. Den ganzen Tag bin ich in der Stadt geblieben.

20. Juni 1918. Wieder Quartierwechsel von Weziers nach Sin-le-Noble, stößt direkt an Douai, eine elektrische Bahn führt ganz durch die Kohlendörfer nach Aniche. Wir sind einquartiert in einer Kirchenglockenfabrik, eine ganz andere Sache, mit schöner Villa und Park.

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Der nächste Beitrag erscheint am 30. Juni 2018.

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