Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Postkarten, diese handlichen, kleinen und dekorativen Kartons, wurden am Anfang des 20. Jh. zum wichtigsten Kommunikationsmittel und im Ersten Weltkrieg überbrachten sie die Lebenszeichen aus den Schützengräben. Jedoch das, was die Soldaten schrieben, hatte mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun. Sollte doch mal einer darüber schreiben, was um ihn herum geschah, kamen diese Karten mit geschwärzten Passagen bei ›den Lieben daheim‹ an. Das Kriegspresseamt und die Oberzensurstelle bestimmten die Botschaft.

Das Jahr 1915 ist das Jahr der Opfer, des Stillstands, der Erschöpfung. Krieg ist Alltag und der Traum vom schnellen Sieg geplatzt. Jubel und Begeisterung sind passee. Tausende sterben in Stellungskriegen und Trommelfeuer, in Schlachten, in denen um wenige Meter Schlamm gekämpft wird.

In der Heimat beginnt die Versorgunglage der Bevölkerung zusammenzubrechen. Städtische Suppenküchen servieren fade Graupen- oder Reissuppen. Nichts, wovon die Menschen satt werden.

Im Berliner Scherl Verlag erscheint 1915: Des Vaterlands Kochtopf von Ida Boy-Ed mit Tipps, was man z. B. aus 125 Gramm Rindfleisch für 8 Personen alles machen kann. Allerdings, das war nur mit viel Glück und langem Anstehen beim Fleischer möglich, wenn überhaupt.
1915_Des_Vaterlands-Kochbuch

Franz Vogt beginnt sein zweites Tagebuch am 24. Dezember 1915. Von Mai 1915 bis Weihnachten 1915 schreibt er Postkarten mit kurzen Texten, manchmal nur ein Gruß. Die Postkarten an seine Familie in Gesmold wurden aufbewahrt.

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

1. Mai 1915

Ein elsässisches Bauerngehöft, links schließt sich der Hof an und daran kommen die Stallungen, welche den Hof einschließen.  / Ein Dorf im Elsass macht sich sehr gemütlich, ich werde die drei Wochen,  / welche ich dort zugebracht, nie vergessen. Elsass gleicht einem großen Garten und den im Mai, es war eine herrliche Zeit.  / Franz.

1915-05-00_im_mai

Postkarte: Sammlung Franz Vogt

 

1. Mai 1915 Herzl. Grüße aus dem Elsaß.  / Artolsheim am Canal, Franz.

1915-05-01_artolsheim

Postkarte: Sammlung Franz Vogt

 

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