Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

1. Oktober 1916

Heute am Sonntagmorgen war ich zur heiligen Kommunion. Die kleine Kirche von Ablainzevelle zwängt direkt ans Schloss. Unsere Lage ist ja so, dass jeden Augenblick Granaten herüber kommen können. Die Engländer brauchen sich nicht mehr einschießen, unser Schloss ist ganz genau eingeschossen. Wir schlafen aber ruhig des Nachts, man muss sich dem Herrn empfehlen. Alles gewöhnt, denkend an die Worte: kein Sperling fällt vom Dache.

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»Viele Soldaten gingen mit Bibelversen oder religiöser Literatur versehen in die Schützengräben – und waren sicher in dem Glauben, dass ihre Frömmigkeit Schutz biete gegen Verwundung oder doch zumindest einen guten Tod und ein Unterpfand für die Auferstehung sichern werde. Wann immer die mitgebrachten Hefte oder Büchlein eine Kugel oder einen Granatensplitter aufhielten (das gab es tatsächlich – in der Realität und noch mehr im Gerücht), wurde die Wirkungsmacht des Glaubens nur noch verstärkt. Insbesondere die katholische Vorliebe für handgreifliche Devotionalien wie Rosenkränze, Medaillons, Skapuliere, Amulette und anderes mehr half gläubigen Soldaten, die archaischen Bedingungen der Schlachten im festen Bewusstsein ihres Glaubens durchzustehen. Dieser religiöse Tand als Objekt der Devotion entsprang der ländlichen Vorkriegsmentalität und ihren religiösen Ausdrucksformen.« Patrick J. Houlhan in: Michael Geyer, Helmut Lethen, Lutz Musner (Hg.): Zeitalter der Gewalt, Frankfurt / New York, 2015, S. 204

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Ablainzevelle 3./ 10 16. / Umstehend die große Ferme in Buequoy an der Essart-Monchy au Bois Straße. Anschießend an den alten Geflügelturm ist das neue Herrenhaus gebaut. (Die Le-Quesnoy-Farm war ein von Deutschen und Briten über Monate umkämpfter Punkt zwischen Monchy-au-Bois und Essarts im Nord-Pas-de-Calais.)

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Berliner Tageblatt, Wochen-Ausgabe für Ausland und Übersee, 26. September 1916

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Der nächste Beitrag erscheint am 5. Oktober 2016.

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