Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

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Verdun vor 1914. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

10.-14. Mai 1916

10. Mai 1916. War heute wieder in Esplechin zur Kolonne. Habe mir unterwegs eine große Ferme angesehen. Im großen und ganzen hat mir der Betrieb wohl gefallen. Die Höfe haben einen geschlossenen Innenhof. Wenn abends das Tor geschlossen wird, ist alles abgesperrt

11. Mai 1916. Jetzt heißt es, dass wir fortkommen sollen. Es war sehr schön hier und von der Front mag ich nicht viel mehr hören. Teils waren die Leute sehr nett, viele auch sehr fanatisch. Äcker und Weiden waren sehr gut und ausnutzend bebaut. Die Gärten üppig und freundlich. Es wär’ noch manches zu benennen.

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Die Transporte nach Verdun gingen über die kleine Landstraße von Bar-le-Duc nach Verdun. Im Sommer 1916 wöchentlich 50.000 Tonnen Kriegsmaterial und 90.000 Soldaten, mit LKWs, Pferdewagen und zu Fuß. Diese Straße blieb die einzige Straße im französischen Straßennetz, die nicht wie alle anderen einer Nummer zugeordnet wurde. Sie wurde zwar 1923 in das französiche Nationalstraßennetz aufgenommen, ist aber bis heute als Voie Sacrée (Heiliger Weg) gekennzeichnet. NVS, National Voie Sacrée. Foto: Gisela Fleischmann, 21. April 2017

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12. Mai 1916. Ich habe jetzt Urlaub eingereicht. Ob’s noch was geben wird. Ich weiß nicht, ich hab Heimweh. Es wäre ja auch zu schön jetzt im Monat Mai in Urlaub zu fahren. Hoffen wir, dass es bald alle und wir alle nach Hause kommen.

13. Mai 1916. Jetzt ist es so weit. Wir kommen weg. Schade, ich wollte morgen zur heiligen Kommunion. Aber leider, es geht nicht mehr. Wir müssen morgen weg. Das wird wieder ein Sonntag werden.

14. Mai 1916. Sonntag. Bin heute morgen von Guignies über Taintignies nach Esplechin gefahren. Heute Abend werden wir in Baisieux verladen. Ich war noch in dem Nachmittagsgottesdienst in Esplechin. Möge uns Gott bald den Frieden geben. Wir kommen soeben in Baisieux an, haben verladen und warten jetzt auf das Abfahren nach einem unbekannten Ziel. Einer sagt, wir kommen nach Arras, andere behaupten nach Verdun. Da sitzt man mal wieder im Zuge und hofft auf das Ende dieses Elends.

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