Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

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An die Frauen u. Mädchen in den Städten! Landarbeit ist vaterländischer Hilfsdienst. Kein Stück Land darf in diesem Frühjahr unbestellt bleiben! Es fehlt an Arbeitskräften. Darum Ihr Frauen und Mädchen in den Städten, die ihr vom Lande stammt und mit seiner Bestellung vertraut seid: Schafft Ihr jetzt wirklich schon mit an der Rüstung des Reiches? – Sonst verständigt Euch mit Euern Arbeitgebern und kehrt zur Frühjahrs-Bestellung vorübergehend nach Eurer ländlichen Heimat zurück. Ergreifet Pflug und Spaten, helft auf dem Lande! Englands schmählicher Aushungerungsplan muß zunichte gemacht werden. Die Hilfsdienstmeldestellen geben Auskunft, wo Landarbeiter gebraucht werden. Hannover, den 12. März 1917. Die Kriegsamtstelle. Osnabrücker Tageblatt, 12. März 1917

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

11. –12. März 1917

11. März 1917. Sonntag. Der Urlaub ist verflossen. Gar zu schnell sind die Tage hingerannt. Ich habe die ganze Woche fleißig gearbeitet und meine Mutter unterstützt. Heute morgen war ich zur heiligen Kommunion und heute Mittag muss ich abfahren.

Osnabrück, mittags. Bin um 2 Uhr 49 abgefahren. Der Abschied ist mir sehr schwer geworden. Gar zu gerne wäre ich zu Haus geblieben, hätte Mutter die letzten Tage noch versüßen können. Wie friedlich wollten wir zusammen leben. Der elende Krieg, wie manches Herzeleid hat er schon gebracht.

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»Wenn nach acht Tagen der Urlaub vorbei ist, / geht es wieder in die Gräben. / Unser Platz ist sehr wichtig, / denn ohne uns würde man die Stellung einnehmen. / Aber damit ist Schluss, wir haben genug davon, / niemand will mehr marschieren. / Mit schwerem Herzen, / wie unter Schluchzen verabschiedet man sich vom Zivilleben, / denn ohne Trommeln und Trompeten, / geht man mit hängendem Kopf dort hin.«

Aus dem französischen (verbotenen) Antikriegslied Chanson de Craonne, oder auch La Chanson de Lorette, gesungen von französischen Soldaten in den Schlachten bei Loretto, an der Somme, der Aisne und bei Verdun. Der ursprüngliche Autor blieb anonym. Die mündliche Überlieferung notierte Paul Vaillant-Couturier und machte sie populär.

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12. März 1917. Morgens. Bin schon in Brüssel angekommen, habe längere Zeit Aufenthalt, fahre dann weiter über Lille. Abends Douai angekommen, vier Stunden Aufenthalt. Hatte wieder Gelegenheit in Douai herumzuwandern. Ich weiß nicht – es gefällt mir jetzt gar nicht mehr so wie früher. Die Stimmung ist so trübe, das Herz zu Haus.

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Postkarte: privat

 

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