Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

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Während die Bevölkerung mit sogenannten Kriegsausstellungen zu Tapferkeit und Patriotismus animiert wurde, tagte im Reichstag der Beirat für Volksernährung. Berliner Tageblatt, 9. Januar 1916: »Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten wurde die Versorgung der Bevölkerung mit Speisekartoffeln sowie der Stärkefabriken und Trocknungsanlagen mit Fabrikkartoffeln erörtert. An zweiter Stelle stand die Beratung der Bewirtschaftung des Brotgetreides und des Hafers bis zur Ernte.«

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

12.-15. Januar 1916

12. Januar 1916. Der Prokurist der großen Mühle hier in Don war plötzlich gestorben und wurde heute begraben. Sonderbar, wie der Zug an unserem Hause war, kam eine Granate angesaust. Die ganzen Begleiter ließen die Leiche stehen und liefen weg, so dass dieselbe ohne Begleitung abgeführt werden musste. Sonderbar, er war ein Kirchenfeind und hat somit ein kirchliches Begräbnis nicht erhalten.

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Die Mühle in Don-Sainghin. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

13. Januar 1916. War heute wieder mal in Stellung zum Munitionliefern und zwar zur dritten Batterie. Es war ziemlich ruhig an der Front, konnte ungestört wieder abziehen.

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14. Januar 1916. Sonst nichts Neues. Die ersten Friedenserscheinungen. Montenegro hat die Waffen gestreckt. Schönes Gefühl.

15. Januar 1916. Konnte heute wieder Einkäufe machen in Seclin und Lille. Sonst hab ich keinerlei Beschäftigung gehabt.

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Welcher Art Franz Vogts Einkäufe waren, wissen wir nicht. Vielleicht dienstlich, vielleicht aber auch privat. In Belgien gab es noch feine Sachen, die in Deutschland schon längst nicht mehr über die Ladentische gingen.

Ein Soldat eines württembergischen Artillerieregiments schrieb am 31. Januar 1916 an seine Frau: »Es gefällt mir hier ganz gut, und ist der Dienst recht erträglich. Bei der Front ist’s ziemlich ruhig. Auch läßt der Nebel große Gefechtstätigkeit nicht zu. Diesen Mittag bis morgen mittag habe Dienst und denke übermorgen nach Morseele zu den Spitzenmädels zu kommen.« Dann am 3. Februar 1916: »Anbei ein Taschentuch. Gefällt Dir eigentlich diese feinere Art (Brüsseler mit Nadelarbeit), oder die etwas gröbere Art (flandersche Spitzen) besser? Ich bin der Ansicht, die größeren Stücke sind in der Fl. besser, die kleineren in Br. Aber es sind Geschmackssachen.« Und weiter ohne Übergang: »Der furchtbare Geschützkampf gestern nacht war offenbar nicht zu unseren Gunsten. Man wird nicht viel davon hören.«

 

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Eintrag