Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

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Die Fackel, Frankfurt a. M., 7. April 1917



Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

12. April 1917

Nachts zwölf Uhr. Bei Arras wütet die Schlacht. Wir sollen schwere Verluste gehabt haben. Ich sitze am Telefon, die Schüsse kommen bedenklich näher über uns hinweg. Herr, Dein Wille geschehe, denkt man unwillkürlich. Man lebt ja so gerne, will noch so vieles schaffen. Wie wird’s enden? Amerika hat uns den Krieg auch erklärt. Deine Wege sind unerforschlich, oh Herr.

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Yves Le Maner, Direktor von La Coupole, Zentrum für Geschichte und Erinnerung im Nord-Pas de Calais: »Die Schlacht von Arras im Frühling 1917 war eine der Hauptoffensiven der britischen Armee an der Westfront. Ihr Ausmaß entsprach der Schlacht an der Somme und der dritten Flandern-Schlacht. […]

Die Briten planten ihren Angriff für Anfang April 1917. Die Hauptsorge ihres Oberkommandos galt der Zusammenführung einer großen Zahl von Truppen an den betroffenen Frontsektoren, ohne die Aufmerksamkeit des Gegners zu erregen. Um ein Blutvergießen wie im Jahr zuvor während der Schlachten von Verdun und an der Somme zu vermeiden, erarbeitete der britische Generalstab eine innovative Methode: Neuseeländische Tunnelbauer sollten ein umfangreiches unterirdisches Netz von Tunneln und Stollen mit einer Länge von etwa 20 Kilometern errichten. Auf diesem Wege sollten die Truppen ohne größere Verluste bis vor die ersten feindlichen Linien vordringen, ohne das Niemandsland durchqueren zu müssen. […]

Auch der Einsatz neuer Waffen war vorgesehen: Zum zweiten Mal überhaupt sollten Panzer auffahren. Dabei setzten die Alliierten auf eine neue Erfindung von William Livens. Der Brite hatte ein Antriebsrohr entwickelt, mit dem Gasbehälter sehr weit geschleudert werden konnten. So sollte das Kampfgas auch bei einem Wechsel der Windrichtung effektiv eingesetzt werden können. Am 6. April kündigten die USA ihren Kriegseintritt an, was der Moral der europäischen Alliierten einen entschiedenen Schub gab. […]

Auf den ersten Blick erschien das Ergebnis der Schlacht von Arras durchaus positiv für die Briten: 20.000 deutsche Gefangene waren genommen, viele Waffen beschlagnahmt und deutliche Landgewinne erzielt worden. Die Front konnte um etwa zehn Kilometer zurückgedrängt und somit der Druck auf die Stadt Arras genommen werden, die seit September 1914 den Bombardements der Deutschen ausgesetzt war. Aber diesen eher taktischen Ergebnissen standen sehr hohe Verluste gegenüber. Mehr als 100.000 Briten waren in Folge der Schlacht von Arras kampfunfähig. Die Verluste auf deutscher Seite sind aufgrund fehlender seriöser Quellen schwer einzuschätzen. Man kann jedoch von einer ähnlichen Zahl ausgehen.«

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Adam Hochschild: Der große Krieg. Bonn 2014, S. 302: »Obwohl vor allem die großen Schlachten des Krieges in Erinnerung geblieben sind, war die Luft über der Westfront auch dann, wenn keine Schlacht mit berühmtem Namen tobte, erfüllt von Gewehrkugeln, Mörsersalven, Granatsplittern und tödlichen Gaswolken (die jetzt aus Artilleriegeschossen freigesetzt wurden). Die Verluste durch diese ständigen Geplänkel blieben im Rahmen dessen, was britische Kommandeure kaltschnäuzig als ›normalen Schwund‹ bezeichneten – bis zu 5000 Mann pro Woche. Für die Soldaten konnten solche kleineren Kampfhandlungen, die nie den Weg in die Zeitungen fanden, in jeder Hinsicht genauso tödlich oder schrecklich verlaufen wie eine berühmte Schlacht.«

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Der nächste Beitrag erscheint am 29. April 2017.

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