Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

»Am 13. Mai 1915 – der Erste Weltkrieg dauerte noch nicht ein Jahr – erschien in der Wiener Wochenzeitung Das interessante Blatt unter der Überschrift ›Der Prothesenmensch‹ ein Artikel über einen Mann aus Mähren, der infolge eines Unfalls seine Arme und Beine verloren hatte, aber durch Prothesen wieder in die Lage versetzt worden war, ein selbstständiges Leben zu führen. Es war ein Glücksfall für die Wiener Ärzte, dass dieser Mann an die erste chirurgische Universitätsklinik nach Wien kam, um hier seine Prothesen reparieren zu lassen, denn er schien zu beweisen, was sie behaupteten – dass nämlich aus jedem körperlich Beschädigten wieder ein vollkommener Mensch gemacht werden könne, der den Gesunden praktisch ebenbürtig ist. Zu dieser Zeit bereits verstärkt mit den von der Front zurückkehrenden Kriegsverletzten konfrontiert, hatten sie ›die Absicht, den Mann ohne Glieder von einem Spital ins andere zu schicken, um die Kriegsinvaliden zu trösten und aufzumuntern‹.« Verena Pawlowsky, Harald Wendelin: Die Wunden des Staates. Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938. Wien 2015, S. 11f.

Berliner Tageblatt, 13. Mai 1915: »Kaffee Hag im Kriege. Zu einer Zeit, während welcher an das Leistungsvermögen und an die Nervenkraft unserer Soldaten sowohl als auch an die in ihrem Beruf Verbliebenen hohe Anforderungen gestellt werden, ist es von Wichtigkeit, solche Genußmittel zu gebrauchen, die durch ihre besonderen Eigenschaften zur Schonung der Gesundheit beitragen. Zu diesen Genußmitteln gehört Kaffee Hag, der coffeinfreie Bohnenkaffee, der nach allen Erfahrungen und ärztlichen Feststellungen nicht nur durch seine Güte volle Anerkennung verdient, sondern auch Herz-, Nerven- und Magenleidenden und sonstigen Kranken zuiträglich ist. Versuchen Sie ihn, er wird von Ihrem Kaufmann geführt.«

Der Bremer Kaufmann Ludwig Roselius (1874-1943) gründete im Jahr 1906 die Firma Kaffee HAG und begann in den Hallen am Holzhafen als Erster weltweit koffeinfreien Kaffee herzustellen. Einer der Werbeslogans der Kaffee-Handels-Aktien-Gesellschaft (Kaffee HAG): »Stahlharte Nerven durch Sport und Kaffee Hag«. Im Laufe des Ersten Weltkriegs musste die Produktion vorübergehend eingestellt werden.

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

13. Mai 1915

den 13. Mai 1915 / Christi Himmelfahrt / Abends 9.30 Elsass verlassen. Sende die letzten Grüße aus den Vogesen. Kommen wieder nach Frankreich. Fr. Gr. Franz.

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(Postkarte: Sammlung Franz Vogt)

Im Felde 13. Mai 1915 / M. L. / Arg verschleudert. 24 Stunden gefahren. Arras Douai. Wir dürfen nicht viel schreiben. Scharfe Kontrolle. In der Nähe von Courrieres, wo die vielen Bergleute verschüttet. Alles Industrie. Zechen. Stadt an Stadt. / Gruß, Franz.

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(Postkarte: Sammlung Franz Vogt)

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»Mairie de Matton Clemency. Autorisation est demandée de tuer un porc chez M. Liégéois Edouard pour la viande être distribuée a la population. Matton le 9 Mai 1915. Le Maire,» [Signatur] (Gesuch, die Schlachtung eines Schweines bei Herrn Edouard Liégéois zu genehmigen, um das Fleisch an die Bevölkerung zu verteilen. Matton, den 9. Mai 1915. Der Bürgermeister Delgoffe) »Die Gemeinde Matton hat Erlaubnis ein Schwein zu schlachten.« (Archives départementales des Ardennes, Charleville)

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Berliner Tageblatt, 13. Mai 1915

 

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