Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Die Furcht vor Freischärlern, den sogenannten Franktireurs war groß, zunächst in Belgien, dann aber auch in Frankreich. Mit jedem Überraschungsangriff und mit jedem nicht sofort zu identifizierenden Schusswechsel wuchs auch das Misstrauen gegenüber der Zivilbevölkerung. Da wurde bei einem durch Querschläger verletzten oder getöteten deutschen Soldaten schnell aus jedem Zivilisten ein ›Franktireur‹. Diese Furcht und Unsicherheit war ein wichtiger Auslöser für Repressalien und Gräuel gegen die belgische und französische Zivilbevölkerung, obwohl solche Behauptungen, von Zivilisten beschossen worden zu sein, meist nicht stimmten. In Zeiten wie diesen brodeln Gerüchteküchen. Die Angst vor den Franktireurs kam u. a. auch noch aus Berichten und Gerüchten des deutsch-französischen Krieges von 1870/1871, in dem es auf französischer Seite einige nicht legitimierte Truppen gab.

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

14. November 1914

Wieder haben wir Brot und sonstige Lebensmittel empfangen. Wenn alles gut bereitet, wie in unserem Zuge, so können wir gut leben. Heute morgen standen einige Frauen zusammen und jammern, dass ihnen alles fehlt, die armen Leute sind zu bedauern, wie wird das werden diesen Winter. Alles ist aufgebraucht hier, wir teilen alles mit [ihnen].

Heute mussten sämtliche Fahrräder in der Kommandantur abgegeben werden, weil in Fresne einige Männer mit unserem Feinde in Verbindung gestanden. Verrat wird mit dem Tod bestraft. In Fresne wurden viele Leute eingesperrt, Männer.

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1914-11-15_BT-472

Berliner Tageblatt, 15. November 1914

Eintrag