Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

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Königsberger Hartungsche Zeitung, 15. September 1918

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

14. September–8. Oktober 1918

14. September 1918 Heute am Sonnabend fuhr ich von Lille ab in Urlaub. Die Fahrt ging den gewöhnlichen Weg.

22. September 1918 Sonntag. Schon bin ich einige Tage in Urlaub. Mein Bruder kam einen Tag später. Die Mutter fehlt im Haus. Es tut mir so unendlich weh, dass ich nicht mehr mit ihr sprechen kann. Meine Schwester krank, wir haben nicht viel Vergnügen*.

5. Oktober 1918 Heute bin ich wieder von Haus abgefahren. Unterwegs bin ich krank geworden. Habe in Lille einen Tag im Hotel im Bett gelegen, vorher war ich noch zur Beichte. Wie sah Lille aus! Still und öde. Wir wollen es räumen, kein Betrieb mehr, der Krieg wird wohl tragisch enden für uns. Es ist Sonntag heute, aber wie ist mir zu Mute.

Am 8., Montag, kam ich bei der Truppe in Faches an, einem kleinen Dörfchen unweit Lille. Was für große schwere Tage durchleben die Leute. 4 Jahre in deutscher Hand, sollen sie dieser Tage wieder dem Feind überlassen werden.

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*Elisabeth Vogt erkrankte 1918 an Ozaena, wegen des unangenehmen Geruchs auch ›Stinknase‹ genannt. Sie blieb zeitlebens von dieser Krankheit gezeichnet.

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Der nächste Beitrag erscheint am 10. Oktober 2018.

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