Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Am 16. Mai 1916 trafen der britische Politiker Mark Sykes und der französische Diplomat Francois-Georges Picot ein nach ihnen benanntes Abkommen. Sie zogen wie mit einem Lineal eine Linie, die den Nahen Osten in einen britischen und einen französischen Machtbereich teilte. Strukturen von Stammesgebieten, ethnische oder konfessionelle Grenzen, überhaupt die Wünsche der Bevölkerung spielten dabei keine Rolle. Diese Linie im Sand (James Barr) schuf Konflikte und Krisenherde, die bis heute den Nahen Osten beherrschen und ihn an den Rand des Zusammenbruchs gebracht hat.

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

15.-16. Mai 1916

15. Mai 1916. Das war mal wieder ein Sonntag, den man nicht vergisst. Wir sind sechs Stunden gefahren über Lille, Douai, Cambrai, wurden in Vélu ausgeladen und liegen jetzt in einem kleinen Orte mit Namen Doignies, links von Arras. Es sind meist große Fermen, woraus das Dorf zusammengesetzt. Macht einen sehr altertümlichen Eindruck. Die Fermen sehen aus wie adelige Häuser. Meist haben sie einen stattlichen Eingang mit Rundbogentür. Die Stallungen und großen Wagenhäuser sind sogar oft nach einem Stile romantisch gebaut. Der Eingang ist meist durch einen Turm verziert. Der Hof geräumig und groß.

16. Mai 1916. Dienstag. Wir sind heute morgen schon wieder abgerückt und zwar näher an die Front, durch schöne Dörfer, herrliche Felder und Weiden nach Ervillers, liegt fünfzehn Kilometer links von Arras. Ich weiß nicht, bis jetzt gefällt’s mir hier noch nicht. Alles neue Truppen. Die Kolonne, welche hier die Kommandantur hat, lag 14 Monate hier. Das Volk ist sehr traurig, dass dieselben weggehen, sie wittern nichts Gutes.

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Beine-Arras. Fotografie: Sammlung Franz Vogt

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