Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Im März 1917 flog der Langstreckenbomber Gotha G.IV Angriffe auf London. Der Name des britischen Königshauses war Sachsen-Coburg-Gotha. Die Namensgleichheit mit einem Flugzeug aus dem sogenannten Englandgeschwader, sorgte für Irritationen.
Am 17. Juli 1917 änderte der britische König Georg V. (1865-1936) den Namen seines Hauses von Sachsen-Coburg-Gotha in Windsor.

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

15.–17. Juli 1917

15. Juli 1917. Sonntag heute. Wir sind noch immer in Ruhe. Heute morgen war ich in der Kirche. Es waren auch dort belgische Schwestern und mehrere Zivilpersonen. Nachher war ich auf dem Friedhof hier, ich zählte 1300 Soldatengräber. Ich war auch auf dem Gemeindefriedhof. Die Gräber waren mit Gras bewachsen nach dreijährigem Krieg. Die Grabinschriften fingen meist mit den Worten an: Bete für die Seele des Verstorbenen.

16. Juli 1917. Heute morgen bin ich über Zarren, Lichtervelde nach Meulebeke gefahren, habe in meinem alten Quartier gewohnt, wo ich freundlich aufgenommen wurde. Die Leute sind netter, als wenn ich in Gesmold bei Leuten käme.

17. Juli 1917. Heute morgen fuhr ich über Thielt, wo ich Einkäufe machte, Lichtervelde, Zarren wieder nach Houthulst zurück. Thielt ist eine Stadt von 13 000 Einwohnern, sehr schöne breite Straßen, freie Plätze. Der schmucke Stadtturm hat ein Glockenspiel. Drei schöne Kirchen und mehrere Klöster schmücken die Stadt. Flandern macht im großen ganzen einen deutschen Eindruck. Manches gefällt einem ja nicht, mir kommt es vor, dass die ärmeren Leute etwas verroht und ungebildet sind sittlich etwas tief gestellt. Viel mag es von der Unterdrückung seitens der Wallonen kommen. Die dauernde Hintenansetzung macht eingeschüchtert und missmutig.

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Juli 1917. Thielt in Flandern. Die Kirche des Franziskanerklosters. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

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Der nächste Beitrag erscheint am 20. Juli 2017.

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