Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

15. Dezember 1917

Schon acht Tage sind wir hier, aber noch nicht in Stellung, während die Batterien eingesetzt sind. Mein Quartier ist bei einem Landschaftsgärtner, nette Menschen. Ich war öfters in Roulers, welches seit meinem letzten Dortsein schwer gelitten hat. Täglich wandern die Bewohner aus. Die Straßen sind voll Flüchtlinge. Der Engländer hat auffallenderweise seit vier Wochen die Stadt nicht mehr beschossen. Kirchen und Häuser haben schwer gelitten.

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Oktoberrevolution. Der Krieg verschärfte die politischen und sozialen Konflikte Russlands. Unruhen und Proteste gipfelten 1917 in der Februarrevolution, der Zar musste abdanken. Zunächst setzte die provisorische bürgerliche Regierung den Krieg an der Seite der Verbündeten Russlands fort, unterstützt von den sozialistischen Arbeiter- und Soldatenräten. Nach weiteren schweren Verlusten zogen sich die russischen Einheiten immer mehr zurück. Der desolate Zustand der Truppen, Desertionen und Aufstände machten eine Verteidigung der russischen Frontlinie unmöglich. Unvorstellbare Versorgungsprobleme schürten die revolutionäre Stimmung, die schließlich Wladimir I. Lenin und seine Anhänger in der Oktoberrevolution an die Macht brachte.

Schon im Herbst 1917  war es an der Front zu Verbrüderungsszenen zwischen Russen und Deutschen gekommen. Die bolschewistische Regierung unter Lenin drängte auf einen Friedensschluss, um die innere Stabilität Russlands zu erhalten. Am 3. Dezember 1917 begannen im russischen Brest-Litowsk (heute: Brest, Weißrußland) die Verhandlungen zu einem Waffenstillstandsabkommen. Am 15. Dezember 1917  wurde das Abkommen unterzeichnet.

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Der nächste Beitrag erscheint am 20. Dezember 2017.

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