Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Ab 1917 gab es Asbach Uralt nur noch in Apotheken und nur mit ärztlicher Bescheinigung. Der Privatverkauf wurde eingestellt, um den Heeresbedarf zu sichern.

Ende September bis Mitte November 1915, tobte die Schlacht bei Loos. Eine der vielen ergebnislosen Schlachten mit hohen Verlusten auf allen Seiten. Unter den 20.000 Namen des Loos Memorials findet sich auch der Name John Kipling. Rudyard Kiplings 18jähriger Sohn. Er selbst hatte durch gute Beziehungen dem 17jährigen John im August 1914 zu den nötigen Papieren verholfen, angeblich mit einem falschen Geburtsdatum.

Propaganda und Heldenverehrung jonglierten mit Wahrheit und Vorurteil. Alltag und Wirklichkeit standen oft im krassen Gegensatz dazu. Bedrückt mit Schuldgefühlen schrieb Rudyard Kipling in seinen Epitaphs of War: »If any question why we died, tell them, because our fathers lied.« Kipling gehörte 1914 zu den begeisterten Kriegsbefürwortern – bevor er sah, was geschah.

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Fotografie: privat

Der Krieg nutzte alle aktuellen technischen Errungenschaften: Autos, Flugzeuge, Unterseeboote und auf der Seite der Alliierten ab Herbst 1916 Panzer (Tanks). Maschinengewehre gab es zwar schon seit den 1890er Jahren, aber erst im Ersten Weltkrieg wurden sie in großem Umfang eingesetzt. MG-Nester sollten die Schützengräben, Laufgräbenund andere befestigte Positionen gegen vorstürmende Infanterie und Kavallerie oder gegen Luftangriffe schützen. Dazu kamen neue Geschütze mit bis dahin ungeahnter Durchschlagkraft, z. B. das von den Essener Kruppwerken entwickelte 42 cm-Geschütz ›Dicke Bertha‹ oder das österreichische 32,5 cm-Geschütz ›Schlanke Emma‹. Die ›Dicke Bertha‹ kostete ca. 1 Million Mark, pro Schuss etwa 1500 Mark. Neben diesen neuen Waffen wurden auch chemische Kampfstoffe (Chemiewaffen) eingesetzt. Zum ersten Mal durch deutsche Truppen im April 1915 beim Angriff auf Ypern.

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

15.–19. November 1915

Don den 15. Nov. 15 / M. L. / Umstehend das Bild eines französischen Canals. Hier im Norden ist keine Stadt, wenns auch nur eine kleine ist, welche keinen Hafen hat. An beiden Seiten schöne Fahrwege mit Bäumen bepflanzt. Sehr schöne Promenaden. / Franz.

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Postkarte: Sammlung Franz Vogt

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Berliner Tageblatt, 1. November 1915

 

Don 18. Nov. 15 / M. L. / Habe einen englischen Blindgänger aufgenommen, 1,45 lang 38,5 breit. Rechts steht ein Ausblässer unserer Feld-Artillerie, links der Fuß-Artillerie, könnt den Unterschied sehen. Das Geschoß soll 700 Mark kosten. In La Bassée haben sie 8 herein geschickt. Welch furchtbare Waffe ./ Franz.

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Fotografie: Franz Vogt

19. Nov. 1915 / M. L. / Teile Euch mit, daß es hier an der Front ziemlich ruhig ist. Die vielen Butterbröde kamen mir gut zustatten, weil ich so lange auf der Bahn liegen mußte. Über das Wollgarn schreib ich erst noch. Muß mal sehen. Wenn Heinrich nach Osnabrück kommt, kann er mir eine billige Sprachlehre und 1 Kompaß kaufen, möchte mich über verschiedene Fächer noch etwas ausbilden. 1 Mark liegt bei. / Franz.

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Feldpostkarte: Sammlung Franz Vogt

Der nächste Beitrag erscheint am 25. November 2015.

 

 

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