Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

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Eingang zum Soldatenfriedhof in Neuville. »Und wer den Tod im heil’gen Kampfe fand, Ruht auch in fremder Erd’ im Vaterland«. Feldpostkarte: privat


La Maison Blanche ist der wohl größte deutsche Soldatenfriedhof mit 44 000 Namen auf nahezu 10 000 Kreuzen. Er liegt in der Nähe von Neuville-Saint-Vaast in Nordwestfrankreich, nur wenige Kilometer nördlich von Arras und etwa 20 km von Franz Vogts damaligen Standort entfernt.

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Berliner Tageblatt, 23. Januar 1916



Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

16.-23. Januar 1916

16. Januar 1916. Sonntag heute. Kein Dienst. War heute morgen zur heiligen Kommunion, sonst meist im Quartier, wo ich mich richtig eingelebt habe. Es gefällt mir dort am allerbesten. Bald wird mir der Abschied schon schwer werden aus Don. Unsere Frau ärgert mich dauernd mit ihrer Schwester.

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Franz Vogts Quartiergeber. li. Rosalie Fotografie: Franz Vogt

17. Januar 1916. Konnte heute wieder in Seclin Sachen abliefern und Einkäufe machen. Sonst nichts Neues.

18. Januar 1916. War im Geschäftszimmer der Kommandantur. Sonst keine Arbeit. Heute fragte wieder ein Franzose durch schwierige Vermittlung an, wie es seiner Familie in Don ging.

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»Hundeappell in Don« Fotografie: Franz Vogt

19. Januar 1916. Heute erhielt ich die Nachricht von Haus, dass alle noch gesund und munter. Es ist das die schönste Freude, welche man haben kann. Heini fährt heute zum Grabe von August. Ich wollte ja mit, aber hatte keinen Urlaub.

20. Januar 1916. War heute nacht in Stellung, um einen Wagen zu begleiten. Kam heute morgen zurück, hatte dann auf der Kommandantur zu tun.

21. Januar 1916. Musste heute zum Generalkommando und zum Regiment. Hatte außerdem Schweißarbeiten zu machen.

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Berliner Tageblatt, 21. Januar 1916: »Lugano, 21. Januar. (Privat-Telegramm.) Das Kriegsgericht in Bologna verurteilte fünf betrügerische Getreidelieferanten der Armee zu zehn bis vierzehn Jahren Zuchthaus. Aus denselben Gründen wurden in Florenz fünf Schuhfabrikanten zu einem halben bis fünf Jahren Zuchthaus verurteilt.«

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22. Januar 1916. Sonst alles beim Alten. Keinerlei Bewegung an der Front. Habe heute in Auvalleur das Kind besucht.

23. Januar 1916. War heute zum Hochamt und zum Regiment. Nachher habe ich einige Aufnahmen gemacht.

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Berliner Tageblatt, 21. Januar 1916

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»Die Menschen stehen vor den Geschäften. Jetzt im Winter, frühmorgens ab 6 Uhr, in zwei Reihen, die ganz alten und die ganz jungen. […] Der Kaufmann schiebt die Rolläden hoch: ›Es gibt heute nur Seife und Zucker. Die anderen Sachen sollen am Nachmittag kommen. Tja, da müssen Sie alle sich schon noch gedulden.‹ – Die Menschen holen Seife und Zucker. Sie stehen am frühen Nachmittag wieder drei Stunden. Abends, mit zitternden Knien, sehen sie dankbar und liebevoll auf Kunstspeisefett, Gegräupe, verfrorene Kartoffeln und 100 Gramm Butter.« Edlef Köppen: Heeresbericht. München 2014, S. 211.

 

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