Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

7. Dezember 1915 »Wir denken immer, der Krieg soll mal [ein] End haben, aber es ist immer noch kein End zu sehen. Aber wir Deutschen [Auswanderer in USA] haben alle die feste Hoffnung, dass Deutschland gewinnt, so wie die [deutschen] Zeitungen hier noch immer schreiben. Wenn wir die Engel. Zeitung glauben, dann hätten Deutsche schon als [alles] verloren.« Brief von John Puls, Hastings (Nebraska, USA) an seinen Bruder in Silz in Mecklenburg. Quelle: Familie Puls, Mecklenburg.

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

17.-19. April 1916

17. April 1916. Bin heute auf Wache. Es ist Regenwetter, zum Gegensatz von gestern. Es wird gemunkelt, wir sollen nach Ypern kommen. Die Engländer sollen geschlagen werden. Ob es sich bewahrheitet, wer weiß?

18. April 1916. Habe heute Einkäufe, Bier, gemacht. War in Genesh und Templeuve, sogar zweimal. Einmal mit Rad, einmal mit dem Wagen. Die Dörfer haben ganz deutschen Eindruck. Bau und Verkehr sehr gemütlich. Auch hat man wie in Belgien die Kirchhöfe noch teils um die Kirche.

19. April 1916. War heute nach Bouvines und Péronne. Zwei schöne Dörfer. Bouvines hat eine ganz neue schöne Kirche mit Glockenspiel, herrlichen Fenstergemälden und kostbaren Figuren. Alles schön und fein sauber. Ein schönes Schloss liegt in der Dorfnähe mit einer schön geschmückten Waldkapelle. Auf der Dorfecke steht ein Pyramidenstein mit der Aufschrift: Bataille de Bouvines, 27, Juli Anno 1245. Péronne, ein schönes Dörfchen, inmitten ein altertümliches graues Kirchlein von Gräbern umrahmt, von innen schön sauber und frisch im Gegensatz mancher Kirche in der Champagne. In der Kirche wird Beichte gehört. Ist doch morgen Gründonnerstag. Leider sieht man auch nur wieder Frauen zum Beichtstuhl drängen. In der Nähe des Dorfes steht wieder ein stattliches Chateau. Was mag dies Dörfchen schon gesehen haben? Was für eine Geschichte könnte das alte Kirchlein erzählen. Auf einem Grabkranz lese ich den Namen Henry Brackelmann, ein ganz deutscher Name. Auf der Rückfahrt fahre ich an dem Fort Bouvines vorbei, welches, wie mir die Leute erzählten, bei der Einkehr der Deutschen in die Dörfer, auf eine kurze Zeit kräftig gefeuert, aber dann geschwiegen hat, um jetzt von den Deutschen in Bereitschaft gesetzt zu werden.

1916-04-18_Verdun

Bonjour Nénette. Bons Souhaits – Erné. (Genesungswünsche) Postkarte: Sammlung Franz Vogt

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