Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

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»Von den Angehörigen unserer Werke starben ferner den Heldentod für das Vaterland.« Osnabrücker Tageblatt, 11. November 1916. Anzeige für die gefallenen Soldaten des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins, gegründet 1856 in Georgsmarienhütte. Seit 1923 Klöckner-Werke und seit 1993 Georgsmarienhütte GmbH.

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Feldlazarett in einer Kirche. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

20.–26. November 1916

20. November 1916. Es ist eigentlich ganz gemütlich hier in Ablainzevelle. Es kommt mir immer so vor, als wenn die Soldaten, die hier wohnen, schon so halb aufgegeben sind. Wir leben so für uns. Die da hinten denken mit geheimer Furcht an uns hier vorn, sagen aber nichts. Und hier auf dem Gefechtsstand sagt keiner was, wir unterhalten uns nur mit hinten durchs Tele­fon. Leben eigentlich ganz vergnügt und vor allem ungestört. Für mich wird’s leider wohl bald wieder zu Ende sein.

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Osnabrücker Tageblatt, 12. November 1916

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24. November 1916. Heute kam schon vom Regiment durchs Telefon, ich soll mich morgen dort in St. Léger melden. Was wird’s nun da wohl geben?

25. November 1916. Ein schreckliches Regenwetter und ich muss los zum Regimentgeschäftszimmer. Abends in St. Léger angekommen, ununterbrochener Regen. Mein schönes St. Léger, wie hast Du Dich verändert! Alles wimmelt von Truppen. Oh, wie war’s ruhig und schön hier wie die 111. Division hier lag und jetzt – die Einwohner teils fort, Straßen verfahren, das schöne Kirchlein oben auf der Höhe zum Lazarett eingerichtet. Alles Bewegung und Kriegsfurie.

26. November 1916. Sonntag heute. Für mich ein Tag wie andere. Wie drängen sich die Gefühle, was beschleicht einen ein schmerzliches Sehnen, ein Druck liegt auf einem. Oh, es ist Heimweh. Wir haben ja Advent, bald Weihnachten. Wie sehnt man sich zurück in alte Zeiten, wie wünscht man einen Sonntag im trauten Heim. Man hat’s gar nicht gewusst, wie gut man’s hatte.

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Osnabrücker Tageblatt, 9. Oktober 1916

Eintrag