Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Reklame für Feldpostpäckchen Osnabrücker Zeitung, 22. August 1914

Reklame für Feldpostpäckchen
Osnabrücker Zeitung, 22. August 1914



Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

20. Oktober 1914

Wir haben uns mit 16 Mann in zwei Zimmern häuslich eingerichtet, kochen selbst. Jeden zweiten Tag kocht die Feldküche, wir halten treue Kameradschaft. Küchengeschirr ist aus leerstehenden Häusern zusammengeholt und Proviant erhalten wir von der Kolonne. Heute gab’s auch Liebesgaben aus Deutschland: Zigarren, Schokolade, Tabak und Wein. Alles wurde redlich geteilt. Sonderbarer Anblick, wenn sich alte Landwehrleute in Feindesland über ein Stück Schokolade und über ein paar Zigarren freuen wie Kinder, und wenn dann noch zum Überglück ein Briefchen von der Frau beiliegt, dann ist die Freude vollkommen. Wir tranken unseren Kaffee und rauchten Zigarren, das Herz war in der Heimat.

Während täglich einige Wagen in Feuerstellung fahren, müssen die anderen Mannschaften auf dem Felde dreschen, damit wir Hafer für die Pferde haben.

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1914-10-20_BT472

Berliner Tageblatt, 20. Oktober 1914

Eintrag