Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

21.-27. Mai 1916

21. Mai 1916. Sonntag. Das war ein schöner Tag. Heute morgen sind die Leute von der alten Kommandantur weggemacht. Mein Quartier ist also für uns frei geworden. Ich wohne mit dem Gefreiten Einjährigen Hegeles zusammen, habe es jetzt eigentlich gerade wie ich es wünschen kann. Im Haus sind bloß die Madame und die Tochter, sehr nette Leute. Was war das für ein schöner Tag. Leider hab ich die Messe nicht hören können, habe aber nachher ein kräftiges Vaterunser in der alten Kirche gebetet. In der Nähe wurde ein deutscher Flieger heruntergeschossen. Drei Offiziere verbrannt. Der Abend ist so schön, ach, wär doch Friede erst.

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»Im Strahle des Scheinwerfers. Ein Flugzeug beleuchtet englische Schützengräben.« Neueste Illustrierte Rundschau. Berlin, 27. Mai 1916

22. Mai 1916. War heute nach Gomiécourt zur Division. Habe nachher auf der Kommandantur gearbeitet. Das Wetter ist anhaltend sehr schön, kann mich abends hier in den Garten setzen. So still und einsam, es ist ein Genuss. Dazu habe ich jetzt meine gute Verpflegung erhalten, Milch zu trinken und auch Eier.

23. Mai 1916. Dienstag. War heute morgen nach Bapaume, der zunächst liegenden Stadt. Das einzig Sehenswerte ist wohl das Rathaus und ein großes Hospital, welches jetzt zum Lazarett umgewandelt wurde. Schön sind die Hauptchausseen hier, sehr breit und erhaben angelegt.

24. Mai 1916. Habe heute dauernd auf dem Kommandanturgeschäftszimmer gearbeitet. Es ist sehr gemütlich hier. Abends bin ich meist allein. Hab schön elektrisch Licht und alles sauber und fein. Viele Kameraden beneiden mich um meinen Posten.

25. Mai 1916. War heute wieder nach Bapaume zur Feldpost und um einige Sachen einzukaufen. Eine sehr schöne Spazierfahrt.

26. Mai 1916. War heute zum Divisionsgeschäftszimmer. Es hat hier eine Aussicht auf gute Ernte. Der Krieg hat zwar auch viel vernichtet und die Leute sind nicht sehr wohlhabend dem Anschein nach, alles meist Landwirtschaft.

27. Mai 1916. Sonnabend. Es ist ein schönes Wetter. Kann in den Garten gehen und die reine Luft genießen. Aber, ich weiß nicht, man kann sich der Natur nicht so erfreuen wie in der Heimat.

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Berliner Tageblatt, 21. Mai 12916

Eintrag