Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

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Berliner Tageblatt, 20. Dezember 1914

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

21.–22. Dezember 1914

 

21. Dezember Die Kolonne rückte heute morgen zu einer Übung aus und ich hab mittlerweile meine Sachen in Schwung gesetzt und gekocht. Es regnet ununterbrochen. Die Wache war um ein Uhr zu Ende, hatte dann weiter keinen Dienst mehr.

22. Dezember Wieder ein Tag vorüber. Viel Neues hat es nicht gegeben. Der Krieg scheint langsam und langweilig zu werden. Weihnachten kommt näher. Wir haben gelost, wer in Feuerstellung muss am Heiligen Abend. Das Los hat mich getroffen. Ich werde also den Heiligen Abend im Unterstand verleben müssen. Heute waren wir zum Vortrag nach Pomacle. Ein Divisionspfarrer trug von Afrika vor. Von den Wilden, welche uns jetzt gegenüber im Schützengraben stehen.

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»Dieser Grabenalltag, der nicht durch Kampf, sondern eher durch Routine und Langeweile geprägt war, ist in den Darstellungen des Krieges lange übersehen oder doch unzureichend erforscht worden, auch weil er in die Kriegsromane aus erzähltechnischen Gründen kaum Eingang gefunden hat. Erst in jüngerer Zeit ist ihm, ausgehend von den Arbeiten französischer Historiker, größere Aufmerksamkeit zuteilgeworden.« (Herfried Münkler: Der Große Krieg, Die Welt 1914 – 1918; Berlin 2013, S. 368)

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in: Der Zeitgeist, Berliner Tageblatt, 21. Dezember 1914

Eintrag