Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

»Am 22. April 1915, nahe der zerschossenen Stadt Ypern, sahen französische Soldaten und Truppen aus den französischen Kolonien in Nordafrika einen seltsamen grünlichen Nebel aus den deutschen Stellungen aufsteigen, der vom Wind auf sie zugetrieben wurde. Ein unbekannter Geruch lag in der Luft. Als die beißende Wolke sie erreichte, war sie so dicht, dass die Männer kaum einen oder zwei Meter weit sehen konnten. Rasch begannen die Soldaten zu würgen und nach Luft zu ringen; gelber Schaum drang ihnen aus dem Mund. […] Das war der erste großflächige Einsatz von Giftgas – verflüssigtem Chlor – an der Westfront. So tödlich und qualvoll er auch war, spätere Gasarten waren noch schlimmer. Wie so viele andere Dinge, die in diesem Krieg eine Rolle spielten, war auch Chlorgas das Produkt eines industriellen Wirtschaftszweigs, in diesem Fall eines Farben-Trusts, der später als IG-Farben berühmt-berüchtigt werden sollte. Chlor und seine Verbindungen wurden schon lange hergestellt, doch diese neuartige militärische Anwendung war ein unseliger Meilenstein in der Entwicklung der Kriegsführung, der ein Spektrum entsetzlicher Möglichkeiten eröffnete.« Adam Hochschild: Der Große Krieg. Stuttgart 2013/Bonn2014(bpb) S. 192

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

23. April 1915

August Wiemann an seinen Vetter Franz Vogt. 23. April 1915

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den 23. 4. 1915. Lieber Franz! Deine Karte vom 15. April erhalten und habe mich sehr gefreut. Bis jetzt hat alles noch sehr gut gegangen und will hoffen, daß es so weiter bleibt. Wo Du bist, geht es wohl ziemlich heiter her. Hier [ist] es augenblicklich etwas ruhig, nur die Artl. ist hier im Betriebe. Was wir Nacht gebaut haben, haut uns die Artl. bei Tag wieder herunter. Auf Wiedersehen. Es grüßt August.

Der nächste Beitrag erscheint am 26. April 2015.

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